Großprojekte in Infrastruktur
Sankt Petersburg für Investoren immer attraktiver

Im Schatten der boomenden Hauptstadt Moskau und der ölreichen Regionen Westsibiriens hat sich Sankt Petersburg zu einem neuen Investitionsschwerpunkt entwickelt. In den kommenden Jahren fließen mehrere Milliarden Euro in die örtliche Automobilindustrie, in den Wohnungsbau, in die Hafenlogistik und in Tourismusobjekte. Die Stadtverwaltung lockt "strategische" Investoren mit Steuererlass und billigen Grundstücken an. Allerdings hat der Boom den Arbeitsmarkt leer gefegt und die Preise kräftig steigen lassen.

SANKT PETERSBURG. Beim "XII. Internationalen Investitionsforum" in Sankt Petersburg (6. bis 8.6.08) hat Russlands Nördliche Hauptstadt den Gästen aus aller Welt demonstriert, welch dynamische Entwicklung sie in den kommenden Jahren nehmen will. Am Rande des Forums wurden neue Großprojekte präsentiert, die Sankt Petersburg in eine Metropole von globalem Maßstab verwandeln sollen. Ob die Landgewinnung für ein neues Wohn- und Geschäftsviertel am Finnischen Meerbusen ("Morskoi Fassad"), der Automobilcluster mit fünf Weltkonzernen, der Ausbau des Flughafens oder die Hafenerweiterung: Sankt Petersburg kleckert nicht mehr, sondern klotzt, um mit Milliardeneinsatz die wirtschaftlich verlorenen 1990er Jahre wieder wettzumachen.

Investoren aus Russland und der ganzen Welt stehen Schlange und haben offenbar allen Grund dazu. Hinsichtlich des Investitionsrisikos belegt Sankt Petersburg im aktuellsten Ranking der Ratingagentur Expert den 1. Platz unter allen russischen Regionen. Die Stadt wurde Ende 2007 mit dem Rating 1A eingestuft, was "Maximales Potenzial - minimales Risiko" bedeutet. Konkurrenten wie Moskau (Platz 9) oder der Krasnodarski Krai (Platz 4) lagen deutlich hinter der Newametropole. Verkehrsanbindungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft, gute Fachkräfteauswahl (über 100 Hoch- und Fachschulen) und ein riesiger Verbrauchermarkt mit 4,5 Millionen Einwohner machen die Stadt attraktiv für Unternehmen.

Besonders magisch zieht der Touristenmagnet an der Newa internationale Automobilkonzerne an. Anfang Juni 2008 wurde der Grundstein für das Hyundai-Werk gelegt. Die Südkoreaner sind nach Toyota, General Motors, Suzuki und Nissan der fünfte große Kfz-Hersteller, der Sankt Petersburg als Produktionsstandort ausgewählt hat. Außerdem baut die Magna-Gruppe eine Zulieferfabrik in der Stadt auf. Im Leningrader Oblast produziert bereits Ford. "In der Automobilbranche herrscht ein großer Wettbewerb, sie ist sehr innovativ und unterliegt einem ständigen Modellwechsel. Genau solche Unternehmen wollen wir in der Stadt", erklärt Maxim Sokolow, Chef des Sankt Petersburger Komitees für Investitionen und strategische Projekte.

Ist ein Vorhaben als "strategisch" eingestuft, bekommt es von der Verwaltung die volle Unterstützung, verspricht Sokolow. Das gilt nun vor allem für die Ansiedlung von Kfz-Teileherstellern. Wer mindestens 3 Mrd. Rubel (rund 80 Mill. Euro) investiert, muss bis zu fünf Jahre nach Produktionsstart keine Gewinn- und Vermögensteuer bezahlen. Außerdem bekommen Investoren von der Stadt Grundstücke zu Preisen, die deutlich unter dem Marktniveau liegen sollen, sagt der örtliche Investorenwerber. Als "strategisch" gelten Projekte, die bei der Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur helfen, die Entwicklung in bestimmten Stadtteilen voranbringen und das Profil der Stadt stärken.

Beim künftigen Profil vergleicht die Stadtverwaltung Sankt Petersburg nicht mit russischen Regionen, sondern mit anderen Weltstädten. "Wir sind die viertgrößte Stadt in Europa, wollen beim Tourismus in Zukunft die Nummer fünf auf dem Kontinent sein und sehen uns als internationales Geschäfts-, Innovations- und Logistikzentrum", verkündet Maxim Sokolow selbstbewusst.

Bei der Logistik profitiert die Newametropole von ihrer Anbindung ans Meer, an die großen russischen Flüsse, an die wichtigsten Eisenbahn- und Straßenverbindungen des Landes sowie vom internationalen Flughafen Pulkowo. Der Airport soll bis 2019 als PPP-Projekt (Public Private Partnership) für eine Abfertigung von 17 Millionen Passagieren ausgebaut werden (2007: 6,2 Millionen). Dafür sucht die Stadtverwaltung bis Sommer 2009 einen Investor.

Milliardeninvestitionen fließen auch in den Hafenausbau. Im "Bolschoi port" ("Großer Hafen", www.pasp.ru) am Finnischen Meerbusen steigt das Umschlagvolumen laut Expertenschätzungen von 60 Mill. Tonnen (2007) bis 2025 auf 125 Mill. Tonnen. Auch der Bau von Logistikzentren brummt. Allein 2007 wurden 280 000 Quadratmeter Lagerflächen neu übergeben. Doch noch immer fehlen 1 Mill. Quadratmeter, um die Nachfrage zu befriedigen.

Eines der wichtigsten Straßenbauprojekte ist der so genannte Zapadny Skorostnoi Diametr, der auf fast 50 Kilometer Länge das Hafengelände mit den Fernverkehrtrassen verbinden soll. Das Vorhaben wird im Rahmen eines Konzessionsvertrages mit der Stadt Sankt Petersburg verwirklicht. Dafür hat Anfang Juni 2008 das Konsortium Newski Meridian den Zuschlag bekommen, zu dem auch Hochtief und die Strabag gehören. Die künftige Mautstrecke, die zum Teil als Hochstraße errichtet wird, kostet etwa 10 Mrd. US-Dollar.

Doch der Boom stößt inzwischen auch an seine Grenzen. Wie überall in Russland sind Baustoffe wie Zement knapp, die Preise steigen exorbitant. Investoren klagen außerdem über begrenzte Energiekapazitäten. Strom- und Gasanschlüsse für Gewerbeflächen müssen teuer erkauft werden. Engpässe gibt es ebenso auf dem Arbeitsmarkt, Löhne und Gehälter steigen zweistellig, Fachkräfte sind Mangelware. "Wir haben das Problem erkannt und wollen die Ausbildung forcieren und zunehmend Arbeitskräfte aus anderen Teilen Nordwestrusslands anwerben", erklärt Maxim Sokolow vom Investitionskomitee. Das sei nicht schwer, "denn Sankt Petersburg ist eine äußerst attraktive Stadt."

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