Grün Vewa
Oliver Grün war schneller als Microsoft

Sein erstes Programm hat Oliver Grün in vielen Nachtschichten selbst geschrieben. Inzwischen werden mit seiner Branchensoftware "Grün Vewa" jährlich in Deutschland etwa eine halbe Mrd. Euro Beitrags- und Spendenvolumen abgewickelt. Grün und seine 60 Mitarbeiter machen mittlerweile sogar Microsoft Konkurrenz.

KÖLN. Früher saß Oliver Grün nächtelang vor dem Computer und programmierte. Das war in Zeiten, als der Heimcomputer ZX81 von Sinclair und der Commodore 64 bei Programmierern und Spiele-Entwicklern populär waren. Grün ging damals noch zur Schule. Heute lässt er seine Mitarbeiter die Arbeit vor dem Monitor erledigen: "Ich habe nicht mehr die Zeit, selbst zu programmieren", sagt der Gründer der Aachener Grün Software AG nicht ohne Wehmut. "Außerdem stecken mich meine Jungs längst in die Tasche." Grün meint damit die Software-Entwickler in seiner Unternehmensgruppe mit 60 Mitarbeitern. Der Mittelständler betreibt neben dem Softwarehaus auch noch eine Werbeagentur. Er unterhält Niederlassungen in Berlin, Wien und Bratislava.

Grün hat sich auf Software- und IT-Serviceleistungen für Mitglieds- und Spendenorganisationen sowie Veranstaltungsanbieter spezialisiert. Die selbst entwickelte Softwarefamilie "Grün Vewa" ist als Branchensoftware in Deutschland Marktführer, jährlich wird über die Programme etwa eine halbe Mrd. Euro Beitrags- und Spendenvolumen abgewickelt. Die Keimzelle der heutigen Grün-Software hat der Gründer vor 20 Jahren selbst programmiert, als er einen 1000-Mark-Auftrag vom Turn- und Rasensportverein Remscheid-Süd bekam: "Die wollten eine neue Vereinsverwaltung haben, also hab ich in vielen hundert Stunden eine programmiert", sagt Grün. Heute vertreiben die Aachener ihre Software in Deutschland, Österreich und der Slowakei und erwirtschaften mehr als drei Mio. Euro Umsatz jährlich.

Der Gründer und Alleinaktionär des Unternehmens hat sich das Programmieren während seiner Schulzeit selbst beigebracht. Nach dem Abitur machte er sich 1989 zunächst als Ein-Mann-Betrieb selbstständig und schrieb sich ein Jahr später an der RWTH Aachen für das Studienfach Bauingenieurswesen ein. Es dauerte 22 Semester, bis Grün das Studium 2001 als Diplom-Ingenieur abschloss: "Anders als meine Kommilitonen habe ich nicht nebenbei gearbeitet, sondern nebenbei studiert", sagt Grün. "Hauptsächlich war ich schon Unternehmer." 2005 schließlich promovierte der Grün-Vorstand an der Comenius Universität Bratislava im Bereich Wirtschaftsinformatik.

Programmierung hat den gebürtigen Mülheimer schon immer begeistert: "Weil man mit Software nicht nur Prozesse technisch umsetzen kann, sondern am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens mitwirkt", sagt Grün. Das gelte heutzutage mehr denn je: "Software ist nicht mehr etwas, das irgendeiner im stillen Kämmerlein umsetzt", meint er. Von Kundenbindung über Effizienzsteigerung bis hin zur Beschaffung - alles werde mit Software in Verbindung gebracht und gesteuert.

Wie hilfreich seine Programme in der Praxis sind, konnte Grün vor sieben Jahren sogar der ganzen Bundesrepublik beweisen: Als es 2002 zur Flutkatastrophe an der Elbe kam, installierte Grün Software in Windeseile das webbasierte Programm eVEWA, um Spendengelder in Höhe von einer Mrd. Euro an die Opfer zu verteilen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik arbeiteten öffentliche Institutionen wie das Bundesinnenministerium oder der Freistaat Sachsen und Vereine wie das Deutsche Rote Kreuz und die Caritas zusammen über ein internetbasiertes Verwaltungssystem, registrierten über 50 000 Opfer und verteilten Soforthilfe und Spendengelder. "Microsoft hat auch versucht, so ein System auf die Schnelle einzurichten. Wir waren aber schneller", berichtet Grün nicht ohne Stolz.

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