
TOKIO. Das riesige Mosaik am Treppenaufgang zeigt ein Zwitterwesen, einen Cyborg: Ein Mensch steckt in einem Roboteranzug, weiße Schienen verstärken Arme und Beine. Ein futuristisches Bild in einem großen, leeren Foyer. Es zeigt die Hoffnung der jungen Firma Cyberdyne, gelegen in einem Gewerbegebiet am Rande Tokios. Der Roboteranzug HAL ist ihre Entwicklung.
16 Jahre hat Firmengründer Yoshiyuki Sankai, ein von Manga-Comics begeisterter Universitätsprofessor, an der Technik geforscht. Seit gut einem Jahr ist sie vermarktungsreif, hilft beim Tragen schwerer Lasten und ermöglicht behinderten Menschen, wieder zu gehen. Knapp 40 Roboter hat Cyberdyne bislang abgesetzt, 54 Mitarbeiter dafür eingestellt, Risikokapital eingesammelt.
Gewagte Start-ups mit ungewisser Zukunft wie Cyberdyne sind selten in Japan. Zu klein ist das Angebot an Risikokapital, wenig ausgeprägt der Gründergeist. Doch in der Krise der japanischen Großunternehmen und nach der Abkehr von lebenslangen Beschäftigungsverhältnissen fördern Regierung, Kapitalgeber und Hochschulen Firmengründer. Eine neue Generation von Jungunternehmern erwacht in Japan.
Gründungsrate steigt über deutsches Niveau
2004 lag das Land unter den Industrieländern mit einem Anteil von zwei Prozent Unternehmensgründern an der Erwerbsbevölkerung, noch weit abgeschlagen hinter Amerikanern und Europäern; heute hat es mit über fünf Prozent Deutschland überholt und zu Frankreich und Großbritannien aufgeschlossen. Das ist die positive Seite.
Auf der anderen Seite stehen seit dem sogenannten Lifedoor-Fall, dem spektakulären Bilanzbetrug eines hochgelobten Internet-Start-ups Anfang 2006, fallende Kurse im Neuen Markt Jasdaq und winzige Venture-Capital-Investitionen von nur 50 Milliarden Yen (370 Millionen Euro) im Jahr 2008. In Europa waren es im selben Jahr acht Milliarden Euro, in den USA gar 28,2 Milliarden Dollar.