Grundig und Nürnberg
Ein Traditionskonzern verlässt seine Heimat

Der einst größte Fernsehgerätehersteller Europas ist schon lange nicht mehr selbstständig. Aber der Nürnberger Heimat blieb Grundig auch nach einigen Besitzerwechseln stets treu. Doch nun zieht die Traditionsmarke nach Hessen. So will es der türkische Eigentümer.

MünchenHinter der Pforte, die mit ihrem mächtigen Dach über den Schranken aussieht wie ein Grenzübergang, wehen himmelblaue Fahnen sanft im Wind. Es sind die Farben der Vedes AG. Frisch und fröhlich kommt das Blau daher, gerade so beschwingt wie Kinder in einem der Läden von Europas größtem Spielwarenhändler.

Einst wurden die Flaggen an der klobigen Pforte in einem dunkleren Blau aufgezogen: Es war die Farbe der Grundig AG, des mächtigen deutschen Unterhaltungsgeräte-Herstellers. Anfang des Jahrtausends hatte Grundig gleich neben seinen ausgedehnten Fabrikhallen in Nürnberg-Langwasser eine neue, luftige Unternehmenszentrale hingestellt. Der damalige Konzernchef wollte mit dem Neubau nach schwierigen Jahren wieder an die glorreichen Zeiten nach dem Krieg anschließen.

Viel Zeit verbrachten die Grundig-Mitarbeiter nicht mehr in dem hoch modernen Gebäude: 2003 ging der ehemals größte Fernsehgerätehersteller Europas pleite. Kurz darauf zog mit Vedes ein anderes, alteingesessenes Nürnberger Unternehmen ein, dem sein eigener Stammsitz eine Nummer zu groß geworden war.

Die kräftig geschrumpfte Grundig-Belegschaft wechselte ein paar Häuser weiter in wesentlich bescheidenere Räume. Immerhin, Grundig hielt Nürnberg die Treue. Doch nun kappt die 86 Jahre alte Firma ihre Wurzeln: Im Laufe des zweiten Halbjahres werde die Grundig Intermedia GmbH nach Neu-Isenburg bei Frankfurt umziehen, teilte der Hausgerätehersteller Arçelik mit.

Die türkische Grundig-Mutter bündelt ihre Deutschland-Aktivitäten in Hessen, wo das Schwesterunternehmen Beko Deutschland sitzt. Ein Arbeitsplatzabbau sei nicht geplant. „Es ist uns ein großes Anliegen, dass alle am Standort Nürnberg beschäftigten 72 Mitarbeiter mit uns ins Rhein-Main-Gebiet umziehen“, sagte Geschäftsführer Sühel Semerci.

Selbst im Fußball spielt Grundig in der Stadt keine Rolle mehr: Den Vertrag als Namensgeber des Stadions haben die türkischen Eigner zum Jahreswechsel auslaufen lassen. Grundig hat eine bewegte Geschichte.

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Ein kleiner Teil bleibt Nürnberg erhalten

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