Hachez
Reinstes Schmirgelpapier

„Die Kakaobohne ist vergleichbar mit einem Rohdiamanten.“ Mit dieser Überzeugung, natürlichen Zutaten und viel Handarbeit produziert das Bremer Traditionsunternehmen Hachez Schokolade in Deutschland. Luxusschokolade.
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DÜSSELDORF. Die Krawatte leuchtet orangerot, klassische Budapester Schuhe werden durch rote Schnürsenkel lebendig, selbst das Ziffernblatt der Armbanduhr strahlt rot: Wenn die Farbe Rot wirklich Aggressivität symbolisiert, ist dieser Mann überaus angriffslustig. Das ist ungewöhnlich für einen hanseatischen Firmenchef. Hasso Nauck ist Inhaber des 117 Jahre alten Bremer Unternehmens Hachez Chocolade, das die Premiummarken Hachez und Feodora herstellt.

Mit dieser Angriffslust schafft es Nauck, dass sich seine edlen, teuren Schokoladen und Pralinés gegen erfolgreichste Konkurrenten wie Lindt, Niederegger, Ferrero oder Rausch durchsetzen. Sein Rezept: die Tradition pflegen und trotzdem mit immer neuen Produkten die Wettbewerber im Zaum halten. Nicht Massenproduktion, sondern handwerkliche Arbeit ist die Grundlage für den Erfolg: Als einziger deutscher Schokoladenhersteller röstet Hachez den wertvollsten Bestandteil seiner Produkte, die Kakaobohnen, noch selbst, verwendet ausschließlich natürliche Zutaten und produziert nur in Deutschland. Damit schafft Hachez es nach dem Marktführer Lindt im Premiumsegment auf den zweiten Platz.

Die Qualität hat ihren Preis. Die Tafel kostet mindestens 1,85 Euro und damit leicht das Drei- bis Vierfache einer klassischen Milka, die im Supermarkt schon mal zum Kampfpreis von 39 Cent im Regal liegt. Deswegen schützt der 55-Jährige (O-Ton: „Klasse statt Masse“) seine Marken rigoros. Mitte vergangenen Jahres hatte Hachez die Preise erhöht, weil „die Kosten für die Rohstoffe gestiegen“ waren, wie Nauck versichert. Die US-Supermarktkette Wal-Mart, deren deutsche Filialen heute zum Düsseldorfer Metro-Konzern gehören, bot jedoch Hachez-Schokoladen weiter als günstigen Lockartikel an. Nauck bat die Konzernleitung, binnen 24 Stunden die Preise zu erhöhen. Als nichts geschah, ließ er an einem Morgen im Mai seine Verkäufer in die Wal-Mart-Filialen strömen und sämtliche Hachez-Vorräte aufkaufen. Den Notruf von Wal-Mart, für Nachschub zu sorgen, konterte Nauck mit den Worten: „Das klappt nicht so schnell, wir haben Lieferengpässe.“ Erst die Versicherung Wal-Marts, die Preiserhöhung an die Verbraucher weiterzugeben, setzte die Lieferkette wieder in Gang. „Die Aktion war gut für uns, so was spricht sich herum und schreckt Nachahmer“, sagt Nauck.

Nur im Luxussegment mit bester Qualität zu angemessenen Preisen, ist Nauck sicher, lässt sich in Deutschland Schokolade herstellen. Dazu zählt er, was heute in Deutschland praktisch kein Hersteller mehr selber macht: das Rösten der Kakaobohnen. „Die Kakaobohne ist vergleichbar mit einem Rohdiamanten“, sagt Ralph Jarzembowski, Röstmeister bei Hachez. Erst der fachkundige Schliff macht sie für Schokoladen-Liebhaber zum Objekt der Begierde.

Deshalb stapeln sich in der Rösterei, mitten in einem Potpourri von alten und neueren Gebäuden im Bremer Stadtteil Alte Neustadt auf der linken Weserseite gelegen, rund 150 Jutesäcke mit Kakaobohnen, jeder 70 Kilogramm schwer, eine Menge, die in zwei Tage verarbeitet ist. Hachez röstet nur Edelbohnen mit so klangvollen Namen wie Cocoa de Maracaibo aus Venezuela oder Cocoa d’árriba aus Ecuador. Die Sorten machen nur drei Prozent der etwa 2,8 Millionen Tonnen Kakao aus, die weltweit pro Jahr geerntet werden. Pflückerinnen holen die orangegelben Früchte von Hand von den bis zu 15 Meter hohen Bäumen und schlagen sie mit einem großen Messer auf. Sie füllen die bohnengroßen Samen mit dem Fruchtfleisch in Kästen und decken sie mit Palmblättern ab. Nach kurzer Zeit setzt ein Gärprozess ein, bei dem sich die Bohnen braun färben und das Fruchtmus auflöst. Durch diese Fermentation entstehen die ersten der über 400 Aromastoffe des Kakaos. Weil dieser Prozess natürlichen Schwankungen unterworfen ist, gleicht keine Lieferung der anderen.

Deshalb begutachtet Röstmeister Jarzembowski jede Charge, die bei Hachez eintrifft. Danach bricht ein großer Rüttler die harte Schale auf und sortiert Fremdkörper aus.

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