Halbjahr endet mit Gewinn
Berentzen zielt auf jüngeres Publikum

Der seit zwölf Monaten amtierende Berentzen-Chef Stefan Blaschak hat es auf ein jüngeres Publikum abgesehen. Während der altbackene Markenauftritt aufgepeppt werden soll, herrscht bei der Belegschaft der angestaubten Apfelkorn-Marke jedoch Ernüchterung.

DÜSSELDORF. „Unser Auftritt muss zeitgemäß werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende dem Handelsblatt. Der heutige Mehrheitsaktionär, die Münchner Investmentgesellschaft Aurelius, hatte den 40-jährigen vor einem Jahr an die Spitze des Spirituosenherstellers gesetzt.



Und der bläst zur Offensive auf die Jugend. So soll der norddeutsche Bauernhof zwar weiterhin das charakteristische Erkennungszeichen von Berentzen bleiben. „Doch wir müssen mit ihm ins 21. Jahrhundert ziehen“, sagt Blaschak, der den altbackenen Markenauftritt jetzt mit Hilfe einer externen Agentur aufpeppen will. Damit - und der Einführung eines Fruchtmixes im vierten Quartal - soll vor allem die Zielgruppe um 25 Jahre angesprochen werden.



An anderer Stelle ist Blaschak schon weiter. So hat er inzwischen erreicht, was seine Vorgänger jahrelang vergeblich versucht hatten: Der ehemalige Handelsvorstand des Düsseldorfer Großbäckers Kamps wies bereits im ersten Halbjahr 2009 einen Gewinn von 3,5 Mio. Euro aus. Dafür blieb bei dem 1758 gegründeten Kornbrenner, der heute neben Mast Jägermeister und Underberg einer der führenden deutschen Spirituosenhersteller ist, kein Stein auf dem anderen. So verlegte Blaschak die Produktion vom norddeutschen Stammsitz komplett ins westfälische Minden. Dort laufen bereits seit vielen Jahren die meisten Schnapsflaschen der Getränkegruppe vom Band. Auch die Hauptversammlung des Konzerns, die trotz mieser Zahlen in den Jahren zuvor in Haselünne wie ein Volksfest gefeiert wurde, fand zuletzt in der nüchternen Atmosphäre eines Münchner Kongresszentrums statt.

Als weiterer Beitrag zur Ernüchterung unter der Belegschaft folgte auf die Auslagerung des Vertriebs auch die Auflösung der Marketingabteilung. Nach der Methode „Tabula rasa“, sagen Beobachter, wäre Blaschak auch bei der Berentzen-Tochter Vivaris vorgegangen. Bei den im Februar 2009 begonnenen Verhandlungen über einen Sozialplan drohte die Berentzen-Führung „dass die Teilnahme der Gewerkschaft NGG zu Nachteilen für die Belegschaft“ bis hin zur Schließung des größten deutschen Pepsi-Konzessionärs führen würde, wie der Osnabrücker NGG-Geschäftsführer Bernhard Hemsing mitteilte. Der Vivaris-Betriebsrat verzichtete daraufhin auf die Unterstützung der Gewerkschaft. Konzernchef Blaschak meldete auf der Hauptversammlung im Juni Einsparungen von 19 Mio. Euro. Nach dem jetzt vorliegenden Halbjahresbericht, der ein Umsatzminus von fast zehn Prozent auf 86 Mio. Euro in den ersten sechs Monaten ausweist, ging die Zahl der Mitarbeiter der Getränke-Gruppe um mehr als 200 auf 517 zurück.

Während die Ausgliederung des 50-köpfigen Vertriebs nach Blaschaks Angaben aufgrund der sinkenden Umsätze nach dem Verlust von Vertriebslizenzen wie Linie Aquavit erfolgte, waren die Einschnitte im Marketing nach seinen Worten notwendig, weil der neue Vorstand mit fast allen Aktivitäten seiner Absatzförderer unzufrieden war.

„Die haben den Leuten immer noch die Geschichte von Alice im Wunderland erzählt“, kritisiert Blaschak und spricht von „konfuser Markenführung“. Ein Dorn im Auge ist Blaschak der Auftritt als „sahniger“ Alkoholmix. „Sahnig ist Baileys, aber unsere Kompetenz liegt in der Frucht“, sagt der Berentzen-Chef.

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