Hall Of Fame
Die Kulturschaffende

Nach dem frühen Tod ihres Mannes baut Irene Kärcher ein weltumspannendes Familienunternehmen auf. In den 60er Jahren blüht das Unternehmen unter ihrer Leitung auf, Kärcher reiht Erfolg an Erfolg. Das Werk von Irene Kärcher prägt das Unternehmen bis heute. Eine Handelsblatt-Reportage.

WINNENDEN. Männern wird die Frage, ob sie neben erfolgreichen Unternehmern auch gute Väter waren, selten gestellt. Es geht ohnehin kaum jemand davon aus, dass große Unternehmer viel Zeit für ihre Kinder haben, obwohl doch gerade letztere für den Fortbestand von Familie und Firma sorgen könnten. Irene Kärcher aber stellt sich immer wieder die Frage, ob sie eine gute Mutter ist. Die Frage bestimmt ihr Handeln.

Auch an diesem 17. September 1959, als ihr Mann Alfred an einem Herzinfarkt stirbt und sie mit 39 Jahren allein mit zwei kleinen Kindern und einem führungslosen Unternehmen dasteht. Die 250 Mitarbeiter der Firma Kärcher bauen Anlagen zur Dampferzeugung und Brennersysteme und produzieren seit kurzem auch den von Alfred Kärcher erfundenen Hochdruckreiniger.

Instinktiv will sich Irene Kärcher für die eigene Familie entscheiden, doch die Mitarbeiter setzen alle ihre Hoffnungen in die junge Witwe. "Was zählt das Glück einer Familie gegen das Wohlergehen der 250 Familien der Mitarbeiter", fragt sie sich, fragen ihre Berater. "Sie hatte keine Wahl", urteilt die Tochter Susanne heute. Und: "Sie wollte ihren Kindern das Vermächtnis ihres Mannes nicht vorenthalten."

Irene nimmt das Vermächtnis an und wird Chefin des Unternehmens, arbeitet sich ein und fragt fortan erst einmal andere, zum Beispiel ihre vier Prokuristen, die die Geschäftsbereiche leiten. "Manchmal spielte sie die Unwissende, aber ihre Fragen waren immer gezielt", sagt Rolf Jauch, Ehrenvorsitzender des Kärcher-Verwaltungsrats. Auch den Mitarbeitern im Werk Winnenden gibt sie das Gefühl, dass sie auf die Hilfe jedes einzelnen angewiesen ist, dass jeder Mitarbeiter für sie persönlich wichtig ist, dass sie gerne mit ihnen zusammenarbeitet.

Und auch wer heute durch das Werksgelände in Winnenden läuft - es liegt rund 20 Kilometer von Stuttgart entfernt - , kann noch immer erspüren, wie sehr Irene Kärcher diesen Ort geprägt hat. Mitarbeiter, die sie noch kennen, lächeln, wenn ihr Name fällt, erinnern sich an Blumen zur Geburt der Kinder und vorausschauende Planungen zum Beispiel von einem Hochregallager, an ausgeglichene Bankkonten in schlechten Zeiten und ihr Leuchten in den Augen, an "Irenchens" offene Ohren und gute Gespräche. Manche Führungskraft wundert sich damals, wie gut Irene Kärcher informiert ist, fürchtet gar Spionage der Chefin, dabei hatte sie einfach nur ihren Mitarbeitern gut zugehört.

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