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Hall of Fame: Herrenknecht: Mit Köpfchen durch die Wand

Wer ernsthaft darüber nachdenkt, einen Tunnel zu bauen, der wird sich eine Maschine von Martin Herrenknecht besorgen. Der Unternehmer aus Südbaden hat das Tunnelbauen mit Kreativität und Sachverstand industrialisiert. Heute ist er Weltmarktführer – nun ist er ausgezeichnetes Mitglied der Handelsblatt Hall of Fame des deutschen Unternehmertums.

Innovativ: Unternehmer Martin Herrenknecht baute gewaltige Tunnel-Maschinen. Foto: AP Quelle: ap
Innovativ: Unternehmer Martin Herrenknecht baute gewaltige Tunnel-Maschinen. Foto: AP Quelle: ap

SCHWANAU. 25 000 D-Mark: Wenn große Unternehmer klein anfangen, kann solch ein Betrag zu einer schier unüberwindlichen Hürde werden. Um Haaresbreite hätte es den Unternehmer Martin Herrenknecht nie gegeben. Kein Banker wollte dem ehrgeizigen 35-jährigen Ingenieur Mitte der 70er-Jahre Geld geben, um eine völlig neue Maschine zum Tunnelbau zu entwickeln. „Ohne meine Mutter Elsa hätte ich es nicht geschafft“, sagt Herrenknecht heute – über 30 Jahre danach.

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1977 leiht sie ihrem Spross das Geld zur Gründung der Herrenknecht GmbH. Bei seinem Vater, Besitzer einer kleinen Sattlerei, war er abgeblitzt, und ausgerechnet die als wesentlich vorsichtiger geltende Mutter half mit ihren sauer verdienten Ersparnissen. Das hat er ihr nie vergessen. Und es bewahrt den risikofreudigen Ingenieur vor allzu großer Kühnheit. „Ich musste ihr bei allen Geschäften immer in die Augen schauen können.“

Sohn Martin hatte nach dem Fachhochschulstudium in Konstanz, das er mit 21 Jahren als jüngster Jahrgangsabsolvent abschloss, zuletzt sieben Jahre lang in der Schweiz Tunnel gebaut. Beim Seelisbergtunnels oberhalb des Vierwaldstätter Sees Anfang der 70er-Jahre war er für den Vortrieb mit einer US-Maschine verantwortlich. Aber „Big John“ mit 11,80 Durchmesser bereitete Probleme „wie d’Sau“ erinnert sich der waschechte Alemanne.

Mit Mutters Starthilfe konnte er seinen Traum von der ersten, nach seinen Plänen entworfenen Tunnelvortriebsmaschine verwirklichen. Denn ihm war klar, dass eine robuste Maschine schneller, billiger und sicherer sein würde. Dass er binnen 30 Jahren vom Ein-Mann-Garagenbetrieb zum weltweiten Marktführer mit über 50 Prozent Marktanteil in der maschinellen Tunnelvortriebstechnik werden würde, konnte damals niemand ahnen. Aber gleich das erste Gerät mit drei Meter Durchmesser für Tunnel für Versorgungsleitungen wurde zu einem durchschlagenden Erfolg. Beharrlich treibt er die Entwicklung neuer Verfahren voran, um durch jeden Grund mit immer größeren Durchmessern Tunnel treiben zu können.

Heute fressen sich seine Bohrköpfe mit Durchmessern von 0,1 bis 19 Meter Durchmesser durch den Gotthard, unter dem Bosporus entlang oder graben als ferngesteuerte Roboter unter Städten Versorgungswege. Die Tunnelröhren werden beim Graben gleich mit Betonringen abgedichtet – alles in einem Arbeitsgang. Herrenknecht hat das Tunnelbauen industrialisiert. „Andere können auch Tunnel bauen, aber wir können es besser“, sagt er selbstbewusst. Dabei gehören ihm nur wenige Patente. Angst vor Kopien hat er nicht. „Bis uns einer nachbaut, haben wir schon was Besseres“, sagt Herrenknecht. Sein Geheimnis ist die Beherrschung der ingenieurtechnischen Komplexität: Über 200 Parameter stimmen die über 90 000 Einzelkomponenten jeweils auf die unterschiedlichen Erfordernisse des Projektes ab. Die 440 Meter langen Kolosse müssen 18 Stunden am Tag laufen. „Verfügbarkeit ist beim Tunnelbau der Schlüssel zum Erfolg“, weiß Herrenknecht.

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