Handelsbeziehungen
Israels Bahn-Boom „made in Germany“

Nach Jahrzehnten auf dem Abstellgleis verzeichnet Israels Eisenbahn einen ungeahnten Aufschwung. Die autovernarrten Israelis lassen ihr Fahrzeug immer häufiger stehen und bescheren – die Passagierzahlen steigen rasant an. Die Technik kommt vor allem Deutschland. Eine Handelsblatt-Reportage.

TEL AVIV. Als Jehuda Gradus noch Chef der Philosophischen Fakultät der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva war, kam es öfter vor, dass der Herr Dekan unangemeldet bei seinen Mitarbeitern vor der Tür stand. Er wollte persönlich prüfen, ob diese in der staubigen Wüstenmetropole lebten oder dort nur einen Briefkasten hatten, weil sie lieber im glamouröseren Tel Aviv residierten. Das war in den achtziger Jahren.

Wer heute an der Ben-Gurion-Universität arbeitet, muss nicht mehr in Beer Sheva wohnen. Heute hat die Universität einen eigenen Bahnhof.

Denn seit dem Jahre 2000 gibt es eine Schnellzugverbindung von Tel Aviv. 17 Züge verkehren täglich zwischen den beiden Städten. Für die 110 Kilometer brauchen sie etwa 80 Minuten. In wenigen Monaten, wenn die Strecke zweigleisig ausgebaut ist, werden es nur noch 45 Minuten sein.

Und das Besondere: Die autovernarrten Israelis benutzen sie. So stieg auf der Route die Zahl der Bahnpassagiere von 1,7 Millionen im Jahr 2001 auf fast drei Millionen.

Israels Eisenbahnnetz hat nur 853 Kilometer Schienen. Aber es erlebt seit einigen Jahren einen Boom, von dem vor allem deutsche Unternehmen profitieren.

„Railways 2000“ heißt der Plan der Regierung, der Israels Eisenbahn aus dem Dornröschenschlaf gerissen hat. Neue Schnellzugverbindungen zwischen den Großstädten des Landes entstehen, der Schienennahverkehr zur besseren Anbindung der Schlafstädte rund um Tel Aviv oder Haifa wächst und gedeiht.

Selbst die erste Eisenbahnlinie Israels, die 1892 in Dienst gestellte Strecke zwischen Jaffa an der Küste und Jerusalem, wird wieder befahren. Früher dauerte die Fahrt zweieinhalb Stunden, heute sind es 70 Minuten.

Die rumpeligen Uraltzüge mit fehlenden Fensterscheiben, die bis in die 90er-Jahre zwischen Tel Aviv und Haifa verkehrten, sind verschwunden. Heute ist alles todschick, klimatisiert und auf dem neuesten Stand der Technik. Die Doppelstockwaggons sind baugleich mit denen der Regionalzüge der Deutschen Bahn AG und stammen vom Bombardier-Werk im sächsischen Görlitz.

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