Handelsgruppe: Tengelmann verteidigt Billig-Shirts aus Bangladesch

Handelsgruppe
Tengelmann verteidigt Billig-Shirts aus Bangladesch

Tengelmann hat beschlossen, dass auch künftig die Familie das Sagen bei Obi, Kaiser's und Kik haben soll. Chef Haub verteidigt die Billigproduktion in Bangladesch. Viele seien auf T-Shirts für 1,99 Euro angewiesen.
  • 2

Düsseldorf/EssenDer Handelskonzern Tengelmann, zu dem der Textildiscounter Kik gehört, hat die Produktion von Kleidung im Billiglohnland Bangladesch verteidigt. „Ich wehre mich dagegen, dass es aufgrund niedriger Preise automatisch zu schlechten Produktionsbedingungen kommen muss“, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub der „WAZ“ (Donnerstagsausgabe). In den Fabriken werde nicht nur für Kik, sondern auch für Markenfirmen genäht.

Dass Kik beispielsweise T-Shirts für 1,99 Euro in Deutschland anbiete, sei sinnvoll, „weil letztlich viele Menschen darauf angewiesen sind, so preiswert einzukaufen und weil die Qualität nicht schlechter ist als teurere Ware“, sagte Haub. „Ich wehre mich dagegen, dass es aufgrund niedriger Preise automatisch zu schlechten Produktionsbedingungen kommen muss.“

Tengelmann habe in den letzten Jahren begonnen, „allein und aus eigener Kraft einige Verbesserungen in den Produktionsländern auf die Beine zu stellen. Das ist uns aber nicht mit großem durchschlagendem Erfolg gelungen“, sagte Haub. Mit Blick auf die jüngsten Fabrik-Katastrophen fügte er hinzu, es sei sehr traurig, dass sich die produzierenden Unternehmen erst dadurch zusammengetan hätten.

Im April 2013 war ein Fabrikgebäude in der Nähe der Hauptstadt Dhaka in sich zusammengestürzt, dabei starben mehr als 1100 Menschen, fast 2500 wurden verletzt. Im November 2012 starben mehr als 100 bei einem Brand. Im Billiglohnland Kambodscha sind seit Tagen wegen Streiks und Fabrikschließungen fast alle Textilfabriken geschlossen. Die Arbeiter verlangen mehr Geld.

Für seine Nachfolge bei der Handelsgruppe hat Haub vorgesorgt: An der Spitze der Handelsgruppe aus dem Ruhrgebiet sollen langfristig weiterhin Familienmitglieder stehen. Zusammen mit seinen Eltern und seinen Brüdern habe er ein Regelwerk aufgestellt, „wie die insgesamt acht Kinder der nächsten Generation in die Firma eintreten können“, sagte Haub der „WAZ“ . „Voraussetzung ist aber die Befähigung, der- oder diejenige "muss es können"“, sagte der 53-jährige Firmenchef. Das Unternehmen sei ganz sicher kein Versorgungswerk.

Die Handelsdynastie setzt bei der Erziehung ihrer Nachfolger offenbar auf Bescheidenheit. Die Kinder der Familie wüchsen normal auf, sagte Haub. Sie hätten öffentliche Kindergärten und Schulen besucht und jetzt begonnen, zu studieren. Danach könnten sie sich für einen Beruf ihrer Wahl entscheiden. „Aber natürlich würde es mich freuen, wenn sie Interesse an unserem Familienunternehmen hätten - aktiv oder passiv“, sagte Haub der Zeitung.

Seite 1:

Tengelmann verteidigt Billig-Shirts aus Bangladesch

Seite 2:

Zalando-Investor der ersten Stunde

Kommentare zu " Handelsgruppe: Tengelmann verteidigt Billig-Shirts aus Bangladesch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der gute Herr war wohl selber noch nie bei Kik einkaufen, wo er hier so steile Thesen aufstellt. Kik verkauft Klamotten in der gleichen Qualität wie andere Hersteller, dass ich nicht lache ...

  • Ich kann Herrn Haubs Argumentation leider nicht folgen. Ich glaube nicht, dass wir T-Shirts für € 1,99 brauchen. Man könnte auch weniger und bessere (Qualität) T-Shirts verkaufen. Das wäre dann nachhaltig und besser für unsere Umwelt.
    Mir ist auch schleierhaft, wie die Näherin bei einem T-Shirt für € 1,99 noch vernünftig bezahlt werden kann. Denn die Kosten für Transport und der Gewinn für Herrn Haub und den Chef der Näherin und die Materialkosten müssen ja auch bezahlt werden.
    Schade.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%