Handelshemmnisse
Großer Frust in China

Sieben Jahre nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation behindern die Behörden in China immer noch gezielt und systematisch europäische Unternehmen. Mehr als 55 Millionen Euro täglich, berechnete die EU-Kommission, verlieren europäische Firmen aufgrund der Handelshemmnisse.
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PEKING. Wenn Hans-Jörg Probst könnte, wie er wollte, würde er die Expansion seines Unternehmens in China deutlich beschleunigen. „Der Markt entwickelt sich rasant“, schwärmt der stellvertretende Chef der Lebensversicherungssparte der Allianz in Shanghai, denn immer öfter entdeckten jetzt auch die Chinesen die Vorzüge von Kranken-, Lebens- oder Sachversicherungen: „Die Nachfrage ist riesig“, sagt Hans-Jörg Probst.

Obwohl das große Land gut ein Dutzend davon vertragen könnte, gibt es bislang erst sechs Allianz-Niederlassungen. In Kürze will Probst eine siebte Filiale in Peking eröffnen. Sein Problem: Ausländischen Versicherungen genehmigen die Behörden gerade mal zwei zusätzliche Niederlassungen pro Jahr. Dagegen können die mehr als 100 chinesischen Konkurrenten so viele Filialen eröffnen, wie sie wollen.

Wie der Allianz ergeht es den meisten Versicherungen, Banken oder Anwaltskanzleien aus Europa. Obwohl sich China nach seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) in 2001 theoretisch auch zur Öffnung seines Dienstleistungssektors verpflichtet hat, bauen sich vor Dienstleistungsunternehmen aus Europa in der Praxis immer noch gewaltige Hürden auf. Viele Behörden behaupten, sie hätten zu wenig Personal, um die Anträge zügig zu bearbeiten.

In der Realität behindern die Behörden viele ausländische Investoren gezielt und systematisch – um einheimische Unternehmen vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. „Nichttarifäre Handelshemmnisse sind ein Riesenproblem“, sagt Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China (EUCCC). Inzwischen vermuten, einer aktuellen Umfrage der EUCCC zufolge, 22 Prozent der europäischen Firmen in China, dass die Behörden absichtlich die Umsetzung der WTO-Vorschriften verschleppen. Im vergangenen Jahr waren es erst 19 Prozent. Der Schaden ist enorm: Mehr als 55 Millionen Euro täglich, berechnete die EU-Kommission, verlieren europäische Firmen aufgrund der Handelshemmnisse.

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