Handwerk
Wenn der Baumeister nicht klingelt

Wer in diesen Tagen einen Handwerker braucht, muss lange suchen und darf lange warten. Aber warum eigentlich? Es ist ein bisschen von allem – sagen die Handwerker selbst. Aber vor allem gilt: ohne Eigeninitiative läuft gar nichts. Eine Handelsblatt-Reportage.

DÜSSELDORF. Das Geräusch war kaum zu vernehmen. Nicht mehr als ein kurzes Zischen. Vielleicht. Möglicherweise aber auch nur eingebildet, hinterher. Fest steht jedenfalls: Der Fernseher ist ein schwarzes Loch im Rahmen, da flimmert nichts mehr. Kein Bild, kein Ton, keine Sportschau – adieu, schnöde Entspannung bei Ball, Bier und Bouletten!

Ein später Samstagnachmittag in Düsseldorf wird zum Desaster, Panik bricht aus beim Fußballfan. Reparatur auf die Schnelle? Notdienst am Wochenende? Da lacht der Fachmann, der Laie verzweifelt. Viele Anrufe folgen – viele vergebliche Anrufe.

Wochen später, ein regnerischer Tag in Köln. Auch Bob kommt nicht. Es ist schon 11:30 Uhr, aber er lässt sich nicht blicken. Bob, der so lieb schauen kann, so süß. Einen gelben Helm trägt er und eine blaue Latzhose, dazu ein rot-weiß kariertes Hemd und um die Hüften einen Werkzeuggürtel.

Bob ist angekündigt worden, als Attraktion für die Kleinen, hier im „Kinderareal“ der Handwerkermesse. Doch nur sein Konterfei lächelt von den Wänden, während zwei ältere Damen einsam zwischen Schaukel und Schaukelpferd ihren Kuchen verzehren.

Aber er ist eben Bob, „Bob der Baumeister“, Betreiber eines Bauhofs und Held der gleichnamigen Zeichentrickserie für Kinder. Sein Wahlspruch: „Yo, das schaffen wir.“ Aber er ist eben Handwerker, die haben momentan einfach keine Zeit.

Zwei Ereignisse, eine Erkenntnis: Das Leben ist eine Baustelle – und wir sind nur die zuschauenden Bauherren. Was Bob, die lebensgroße Spielzeugpuppe, für die Kleinen, dass ist in diesen Tagen der reale Arbeiter für die real Handwerker suchenden Eltern. Der Bedürftige wartet: und das meist vergeblich.

Leere Auftragsbücher, Krise im Mittelstand? Das war gestern. Heute gilt: Deutschland zufrieden Handwerkerland. Es boomt: in Wohnung, Haus und Garten.

Aber warum eigentlich?

Angela Merkel, die Kanzlerin sagt: Der Aufschwung ist da, stabil ist er. Die Opposition hält dagegen: Die Mehrwertsteuererhöhung kommt, rauf geht es. Von 16 auf 19 Prozent ab 2007, da wird in diesem Jahr noch beauftragt, was das Haushaltsbudget hergibt – und danach kommt die Flaute.

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