Handy und Laptop
Moderne Überforderung

Kommunikationstechnik hat ihre Tücken. Durch Mobiltelefon und Laptop arbeiten Büroarbeiter zwar effizienter. Gleichzeitig sind sie durch die moderne Kommunikationstechnik aber auch ständig erreichbar. Viele Mitarbeiter sind damit nicht selten überfordert.

KÖLN. Punkt acht Uhr morgens klappt der Chef seinen Laptop auf. Im Postfach blinken schon 25 E-Mails, bis Feierabend beantwortet er mehr als 100 Nachrichten. Auf dem Weg zum Geschäftspartner überträgt er per UMTS-Verbindung neue Aufträge an die Außendienstmitarbeiter, die ihrerseits via Handheld-Computer von unterwegs auf die Kundendatenbank zugreifen. Sind Besprechungen notwendig, schalten sich alle Beteiligten per Videokonferenz zusammen.

So oder ähnlich sieht der Alltag in vielen mittelständischen Betrieben aus, denn längst hat die moderne Kommunikationstechnik kleine Unternehmen erreicht – und vollständig vernetzt. Auch Klaus-Peter Stiefel, Experte am Fraunhofer Office Innovation Center (OIC) in Stuttgart bestätigt die Revolution im Büro: „Die neuen Techniken haben die Geschäftsprozesse nachhaltig verändert.“ Durch vernetzte Teamarbeit über Handy, Laptop und Groupware-Programme und die Digitalisierung der wesentlichen Geschäftsprozesse arbeiten Unternehmen wesentlich effizienter. Und: Die Bürotechnik orientiert sich nun endlich an den Wünschen der Nutzer, verspricht Zukunftsforscher David Bosshart vom Züricher Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI). So lassen sich Daten auf mehreren Endgeräten problemlos abgleichen, Taschencomputer machen selbst Zugabteile zu mobilen Arbeitsplätzen und Terminkalender sind online jederzeit für alle Teammitglieder einsehbar.

Was die Trendanalytiker nicht berücksichtigen: Die Technik ist zwar ausgereift, wird aber häufig falsch genutzt. „Mit den heute zur Verfügung stehenden Techniken hat sich ein anderer Arbeitsstil entwickelt“, sagt der Schweizer Management-Coach Samuel Brunner. So beschäftigen sich Büroarbeiter nicht nur mit mehreren Aufgaben an verschiedenen Endgeräten gleichzeitig. Sie sind auch ständig erreichbar und klagen in der Folge über eine schlechte Work-Life-Balance. „Es ist schwerer geworden, sich abzugrenzen“, erklärt Brunner das Problem von Blackberrys im Dauereinsatz und ständig klingelnden Mobiltelefonen. So checkt der Produktionsleiter auch sonntags beim Grillfest mal eben seine E-Mails, und der Chef verschickt selbst zu später Stunde Nachrichten in der Erwartung, dass sie umgehend beantwortet werden. „Wenn sich so eine Anspruchshaltung ausbreitet, werden die Leute hektisch und haben das Gefühl, permanent überfordert zu sein.“ Dadurch leidet nicht nur der Schlaf, sondern auch das Freizeit- und Familienleben.

Einziges Mittel gegen den Dauerstress: Klare Regeln. Mobiltelefon und Taschencomputer haben an Wochenenden und im Urlaub Sendepause. Die Benachrichtigung für neue E-Mails lässt sich deaktivieren – so entkommt man dem Drang, sofort antworten zu müssen. Und: Multitasking gilt als Produktivitäts-Killer, denn das Gehirn kann sich nur auf einzelne Aufgaben voll konzentrieren. Wer gleichzeitig telefoniert und an einer Präsentation arbeitet, ist im Schnitt langsamer, als würde er eins nach dem anderen tun.

Laut Management-Coach Samuel Brunner müssen Büroarbeiter für sich einen Mittelweg finden: „Natürlich sollen sie neue Techniken gezielt als Hilfsmittel nutzen“, sagt der Experte, der auch selbst einen Blackberry in der Tasche hat. „Aber ohne sich zu Sklaven ihrer Kommunikationsapparate zu machen.“

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