Hash House Harriers
Neue Vergnügen für Geschäftsreisende

Wer viel im Ausland unterwegs ist, kennt sie alle, die Businesshotels in den großen Städten: Egal ob mit vier oder fünf Sternen dekoriert – für Vielreisende sind sie fast alle immens langweilig. Insbesondere in Entwicklungsländern sind die Freizeitmöglichkeiten begrenzt. Doch es gibt Rettung aus der Hoteltristesse. Wer britischen Humor und den rheinischen Karneval mag, dem kann ein „Hash“ Spaß machen.

KÖLN. Kontaktanbahnung der anderen Art: durch Schlamm und Dreck, bei Regen und tropischer Hitze. „Mad dogs and Englishmen“, nur verrückte Hunde und Engländer laufen bei solchen Rahmenbedingungen – und Hasher. Wer einigermaßen gut zu Fuß ist, etwas Englisch kann und gerne ein Bier in Gesellschaft trinkt, für den gibt es – vor allem in den Großstädten der Entwicklungsländer – ein- oder zweimal die Woche eine Fluchtmöglichkeit aus der gestylten Hoteltristesse: die Hash House Harriers (H3).

Der Name kommt aus der Jägersprache, wobei die Meute der „Harrier“ weniger den Hasen jagt, als direkt nach dem „Hash House“, der Imbissbude, sucht. Irgendwann vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die H3 in Malaysia von Engländern gegründet. Die Organisation ist dezentral, Regeln und Gebräuche variieren. Im Wesentlichen geht es darum, einen spärlich markierten Laufweg zu finden und am Ende darauf mit einem wohlverdienten Bier anzustoßen.

Gelaufen wird meist eine Stunde. Schnelle Läufer verlieren oft die richtige Spur und kommen so immer wieder mit den langsameren zusammen. Der Anspruch an die körperliche Fitness hängt von den Standortbedingungen ab: Bei den New-Delhi-Hashern überwiegen in der heißen Jahreszeit die Fußgänger, während der „Men only Hash“ von Sri Lanka auch schon einmal ein paar Stunden durch unwegsames Gebiet führen kann.

Die meisten Hash-Clubs aber sind in jeder Beziehung gemischt: gute Läufer und schlechte, Männer, Frauen, Junge und Ältere, Einheimische und vorübergehend das Land besuchende Ausländer. Nach dem Lauf wird dieser in einer großen Runde kommentiert, neue Läufer vorgestellt, Geburtstage gefeiert und Zwischenrufer mit einem Bier bedacht. Das intellek- tuelle Niveau ist breit gefächert.

In Hashs mit vielen Australiern ist eine Tendenz zu Kraftausdrücken mit vier Buchstaben zu beobachten, während es an Orten mit einer dominanten Entwicklungshilfeindustrie oder einem stark vertretenen diplomatischen Korps sprachlich anspruchsvoller zugeht. Sind Lauf und „Circle“ abgeschlossen, bietet sich vor allem für Neulinge die Chance informativer Gespräche. Das gemeinsame Hash-Vergnügen verbindet. Wo bekomme ich ..., finde ich ..., treffe ich ...? Probleme mit dem Zoll, mit Behörden – Hasher helfen sich gegenseitig. Vor allem in kleinen Entwicklungsländern kennt jeder jeden.

Viele Städte der Welt haben ihren Hash. Die meisten lassen sich zügig über eine Internetsuchmaschine finden. Als Faustregel gilt: Je geringer das lokale Freizeitangebot, desto besser der Hash – für den, dem so etwas gefällt. Wem der englische Humor zusagt, wer sich im rheinischen Karneval wohlfühlen könnte, keine Probleme hat, sich selber auf den Arm zu nehmen und nehmen zu lassen, dem kann der Hash Spaß machen. Wer sich selbst als eher steif, introvertiert oder auf sein Image bedacht einstuft, sollte es lieber bleiben lassen.

Eine formale H-3-Mitgliedschaft gibt es nicht. Wer kommt, ist willkommen. Träger eines Hash- T-Shirts werden von Eingeweihten weltweit erkannt. Alte Hasen verdienen sich einen eigenen Hash-Namen. Nicht alle sind schmeichelhaft.

Weitere interessante Artikel über Länder, Branchen und Märkte finden Sie in "markets - Das Servicemagazin für Außenwirtschaft". Es erscheint alle zwei Monate und kostet 3,80 Euro (Jahresabo: 19 Euro).

Näheres zum Magazin erfahren Sie hier. Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeexemplar per Mail an markets@bfai.de!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%