Heiko Kopf, MST.factory
„Sparzwang nützt Mikroelektronikern“

Mit der Krise wächst der Kostendruck auf die IT-Abteilungen. Im Interview verrät Heiko Kopf, Leiter der MST.factory in Dortmund, warum er trotzdem optimistisch in die Zukunft seiner Branche blickt und wie Unternehmen als Gewinner aus der Krise hervorgehen können.

Handelsblatt: Herr Kopf, auch die Mikroelektronik steht mitten in der Krise. Wie geht es der Branche?

Kopf: Die Mikroelektronik steht wie fast jede andere Branche unter immensem Druck. Vor allem größere Unternehmen haben es derzeit schwer, weil sie in Großserien produzieren, die technisch sehr aufwändig sind. Umstrukturierungen sind daher sehr kostspielig und kaum tragbar, solange die Auftragslage unsicher ist. Kleinere Unternehmen sind allerdings flexibler. Der Spezialisierungsgrad ihrer Anlagen ist oftmals nicht so hoch.

Wie haben die Hersteller und Dienstleister der Mikroelektronik denn auf die konjunkturell bedingte Zurückhaltung ihrer Kunden reagiert?

Sie haben kontinuierlich den Puls ihrer Kunden gefühlt und mit heftigen Folgen gerechnet. Deshalb haben die meisten Firmen zum Beispiel schon frühzeitig auf Kurzarbeit gesetzt. Man muss aber auch erwähnen, dass das nicht der erste Auftragseinbruch für die Mikroelektronik ist. Natürlich ist die Finanzkrise ein extremer Schock. Aber die Branche ist immer schon extremen Zyklen ausgesetzt, kennt also Situationen, in denen die Kunden fehlen. Viele Firmen gehen mit dem Auftragseinbruch daher routiniert um. Sie warten nun auf den Aufschwung. Teil ihrer Strategie ist daher auch: Personal halten. Denn sonst müssen sie die qualifizierten Fachkräfte später erst wieder mühsam zusammen suchen.

Kann eine solche Abwarte-Taktik in der aktuellen Lage funktionieren?

Es ist zumindest ein erster Schritt, um größere Einschnitte abzuwehren. Aber natürlich muss die Mikroelektronik jetzt handeln. Hier sind kleinere Unternehmen übrigens meistens besser aufgestellt. Sie sind es gewohnt, ständig neue Kunden und Märkte zu suchen. Derzeit geht es darum, neue Perspektiven zu finden. Viele Mittelständler haben ihre Trainingseinheiten dafür abgeschlossen.

Zusammengefasst geht es der Mikroelektronik also eigentlich ganz gut?

Natürlich werden viele kämpfen müssen. Es wird möglicherweise auch Pleiten geben. Keine Branche kann sich gänzlich gegen den Weltmarkt entwickeln. Immerhin ist ein ganzes Finanzsystem zusammengebrochen. Noch vor einem Jahr gab es in der Mikroelektronik große Perspektiven und viel Geld. Auch dank der wachsenden Märkte Indien und China waren die Auftragsbücher voll. Die Krise hat die Wachstumsplanung der Branche jetzt erst einmal vollkommen auf den Kopf gestellt. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Situation spätestens in anderthalb Jahren wieder ähnlich gut sein wird wie 2007. Bleibt zu hoffen, dass die Folgen zwischenzeitlich nicht allzu gravierend sind.

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