Heinz Schmalholz, ifo
„Wir hinken mit Fördermitteln hinterher“

Deutschland kann den Verlust der Chipproduktion verkraften, sagt Heinz Schmalholz, Volkswirt am ifo Institut in Dresden. Im Interview erklärt der Wissenschaftler, warum er Subventionen für die Mikroelektronikbranche ablehnt und warum Deutschland den Kostenwettbewerb in der Produktion nicht gewinnen kann.

Handelsblatt: Herr Schmalholz, muss man Chipfabriken in Deutschland halten?

Schmalholz: Ein Argument dafür ist stets die enge Vernetzung mit den Abnehmern. Allerdings wirkt das in unserer heutigen Zeit wenig stichhaltig. Man kann die Chips schließlich auch einfach woanders kaufen. Solange der Welthandel nicht restriktiv beschränkt wird - und dafür gibt es keine Anzeichen - sollte das kein Problem sein.

Aber dadurch wird die hiesige Wirtschaft doch viel abhängiger von der Produktion im Ausland. Droht uns dadurch nicht möglicherweise langfristig eine Unterversorgung?

Wenn das passiert, sind das nun mal die Nachteile eines globalisierten Marktes. Aber da es sich in der Regel um standardisierte Produkte handelt, stehen viele Anbieter in Konkurrenz. Es droht also keine Knappheit.

Andere Länder fördern die heimische Produktion durch staatliche Hilfen. Wenn Deutschland Hilfen beschränkt oder gar streicht, verliert der Standort international womöglich den Anschluss, oder?

Subventionen gibt es ja auch in Deutschland. Richtig ist allerdings, dass besonders im asiatischen Raum die Staatshilfen inzwischen immense Ausmaße angenommen haben. In einzelnen Ländern stehen für die Firmen zum Teil völlig kostenlos neu erschlossene Gewerbegebiete bereit. Diesen Wettlauf kann Europa allerdings nicht gewinnen.

Warum nicht?

Wenn man die Subventionen für die Hersteller von Mikroelektronik erhöht, melden sich sofort auch alle möglichen anderen Branchen. Und man würde den Fördermaßnahmen der anderen Länder dennoch hinterherhinken. Da ist es besser, die Hersteller dorthin gehen zu lassen, wo es die meiste Unterstützung für sie gibt.

Würde der Verlust der Chipproduktion also gar nicht so schwer wiegen?

Jedenfalls nicht direkt. Das Problem ist eher, dass Produktion und Forschung oft eng verknüpft sind. Wenn die Hersteller nach Asien ziehen, könnte auch die Forschung verschwinden. Die Forschung in der Mikroelektronik aber ist wiederum wichtig für die Weiterentwicklung etwa in der Automobilindustrie oder der Unterhaltungselektronik.

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