Heiße Phase
Schlacht um Kuka entbrennt

Monatelang behaupteten beiden Seiten, man habe das allerbeste Verhältnis zueinander. Jetzt werden Spitzenjuristen angeheuert und Abwehrmandate verteilt. Der Machtkampf zwischen dem Roboterhersteller Kuka und seinem seit kurzem größten Aktionär Grenzebach geht in die heiße Phase. Auf dem Weg zur Hauptversammlung lassen sich die beiden Gegenspieler zusätzlich von gewieften PR-Strategen beraten.

AUGSBURG. Der Augsburger Roboterhersteller Kuka und sein Großaktionär Grenzebach bringen im Vorfeld der Hauptversammlung ihre juristischen Geschütze in Stellung. Nach Informationen des Handelsblattes aus Unternehmenskreisen haben die Kontrahenten inzwischen zwei der renommiertesten Kanzleien engagiert. Kuka lässt sich in dem Machtkampf von Hengeler Mueller beraten, Grenzebach setzt auf Clifford Chance. Hier betreuen Andreas Dietzel und Wolfgang Richter das Mandat – zwei der versiertesten Gesellschaftsrechtler der Republik. So vertritt Richter nicht nur Großkonzerne, sondern saß aber auch bei dem Oldenburger Photohersteller Cewe-Color auf der Hauptversammlung, als es galt, den Angriff mehrerer Hedge-Fonds abzuwehren.

Nun ist Richter für den Angreifer unterwegs. Grenzebach, ein schwäbischer Maschinenbauer, steht bei Kuka kurz vor dem Erwerb einer Sperrminorität von 25,1 Prozent. Der Roboterhersteller hatte Grenzebach 2008 selbst als möglichen Aktionär angesprochen, weil beide Unternehmen eine langjährige Kundenbeziehung verbindet und man die Partnerschaft ausbauen will. Inzwischen ist aus dem freundlichen Verhältnis jedoch ein offener Konflikt geworden. Kuka hat in der vergangenen Woche eine Einladung zur Hauptversammlung versandt, auf der das Thema Neubesetzung des Aufsichtsrats fehlt. Dabei hatte Grenzebach als mit weitem Abstand größter Aktionär längst zwei Aufsichtsratsmandate beansprucht.

Nach Informationen des Handelsblattes liegt Kuka ein Ergänzungsantrag zur Tagesordnung vor, mit dem Grenzebach seinen Anspruch nun durchsetzen will. Beide Unternehmen wollten sich am Mittwoch dazu nicht äußern.

Stattdessen laufen im Hintergrund die Vorbereitungen für einen so genannten Proxy-Fight der harten Gangart. Grenzebach spricht laut Finanzkreisen derzeit Investoren als mögliche Verbündete an. Gleichzeitig versucht Kuka händeringend, ein Gegengewicht zu Grenzebach aufzubauen. Ironischerweise kann der Roboterhersteller bei seinem Abwehrkampf ausgerechnet auf den US-Investor Guy Wyser-Pratte zählen. Der hatte nach seinem Einstieg 2003 Vorstände und Aufsichtsräte gleich reihenweise aus dem Amt getrieben. Wyser-Pratte wurmt jedoch, dass Grenzebach von dem Verfall der Aktie profitiert, in die er selbst große Hoffnungen gesetzt hatte. Der Kuka-Kurs liegt derzeit auf einem Zehnjahrestief. Wyser-Pratte wirft Grenzebach vor, die Kuka-Aktien auf unlautere Art über Optionen erworben zu haben. Grenzebach weist dies zurück - man habe die Aktien eben so kursschonend wie möglich gekauft.

Um die Argumente möglichst publikumswirksam zu verkaufen, sind nicht nur Banker und Juristen, sondern auch PR-Strategen im Spiel. Kuka lässt sich von der Agentur CNC beraten, Grenzebach hat Hering Schuppener engagiert.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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