Heiztechnik
Viessmann schluckt Schmack Biogas

Ein Schnäppchen dürfte der Heiztechnikspezialist Viessmann gemacht haben: Das nordhessische Unternehmen übernimmt den Biogas-Anlagenbauer Schmack im Wege eines "Asset-Deals" aus der Insolvenz heraus. Viessmann sichert gut drei Viertel der 400 Arbeitsplätze.
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DÜSSELDORF. Der Heiztechnikspezialist Viessmann hat ein verbindliches notarielles Kaufangebot für die insolvente Schmack Biogas AG abgegeben, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl des Biogas-Unternehmens aus Schwandorf in der Oberpfalz bestätigte. Der Gläubigerausschuss habe bereits zugestimmt, dass Viessmann wesentliche Teile des operativen Geschäfts von Schmack Biogas im Wege einer übertragenen Sanierung nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. Januar 2010 übertragen werden.

Dabei handelt es sich um einen so genannten "Asset Deal". Viessmann beschränkt sich auf den Kauf der Vermögensgegenstände, der Insolvenzverwalter behält den Firmenmantel. Viessmann plant also nicht, die gesamte Schmack über den Kauf von Aktien ("Share Deal") zu übernehmen. Für die Schmack-Aktionäre bedeutet dies, dass sie erst dann von dem Verkauf profitieren, wenn die Ansprüche aller Gläubiger befriedigt sind und noch Geld übrig ist. Damit rechnet offenbar keiner. Denn die Schmack Aktie stürzte gestern regelrecht ab.

Möglicherweise haben die Aktionäre auch aus Fehlern gelernt. Erst im November hatte der Verkauf der Escada-Vermögensgegenstände an die indische Milliardärsfamilie Mittal die Aktie des insolventen Modekonzerns kurzfristig enorm in die Höhe getrieben. Anleger, die deshalb damals eingestiegen sind, mussten dies teuer bezahlen, wenn sie sich nicht abgesichert hatten. Denn die Escada-Aktie brach ebenso schnell wieder ein.

Schmack Gründer und Vorstand Ulrich Schmack hält noch sechs Prozent der Anteile. Als Insider konnte er nicht aussteigen. Das tat aber noch schnell Großaktionär Emerald Technology, eine Schweizer Wagniskapital-Gesellschaft. Sie hält nur noch knapp fünf Prozent von einst 20. Der Rest lag in Streubesitz.

Das 1917 gegründete Familienunternehmen Viessmann mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro und 8  600 Mitarbeitern dürfte ein Schnäppchen gemacht haben, zumal auch der Name Schmack gekauft wurde. Zwar wurde über den Kaufpreis nichts bekannt, doch zählt Schmack in der Branche zu den Größen. Der Umsatz konnte im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 41,2 Prozent auf knapp 43 Millionen Euro gesteigert werden. Der operative Verlust (Ebit) betrug nur noch acht nach 25 Millionen Euro im Vorjahr. Der Anlagenbauer hatte sich am Expansionskurs verhoben. Er musste im Oktober überraschend Insolvenz anmelden, nachdem die Banken sich geweigert hatten, einen Betriebsmittelkredit aufzustocken.

Viessmann sichert laut Ampferl gut drei Viertel der 400 Arbeitsplätze. Der Umsatz von Schmack war 2008 um 50 Prozent auf 67,6 Millionen Euro eingebrochen. Der Verlust betrug 34 Millionen Euro.

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