Herkunft von Verpackungen
Vorschriften sorgen für Unruhe bei Herstellern

FirGift oder Keime im Ketchup – das hieß bislang: „Alles Rote aus dem Regal“, sagt Michael Moise von Nestlé. Fand sich zwischen Flensburg und Friedrichshafen auch nur ein einziges verunreinigtes Produkt, war der betroffene Hersteller gezwungen, alle Artikel bundes- oder gar europaweit zurückzurufen.

STUTTGART. Bis vor einigen Jahren wusste niemand, in welchem Supermarkt welche Ware mit welchem Produktionsdatum stand. Das ist heute anders. Seit Beginn vergangenen Jahres ist die Rückverfolgbarkeit der Lebensmittel und ihrer Ausgangsstoffe Pflicht, ab Herbst greift eine ähnliche EU-Verordnung für alle Verpackungen und andere Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. „Das geht von Messer und Gabel bis zum Tanklaster, der flüssige Schokolade ins Werk bringt“, erklärt Christian Meier, Rechtsanwalt in der Frankfurter Kanzlei Gorny.

Besonders betroffen sind Verpackungsproduzenten. Zum Beispiel das Unternehmen Casetech. Die Bayer-Tochter produziert künstliche Wursthüllen für die fleischverarbeitende Industrie. „Wir können schon jetzt alles sehr gut rückverfolgen“, sagt Entwicklungsleiter Heinrich Henze-Wethkamp. Die großen Lebensmittelkonzerne haben sich ebenfalls schon vorbereitet. „Für uns ist das kein Aufwand, weil wir die Prozesse schon vor Jahren impliziert haben“, sagt Michael Moise von Nestlé. Sehr viel mehr Sorgen machen ihm derzeit die Schnittstellen zu den Lieferanten. Besonders mittelständische Firmen würden die Aufzeichnungen noch nicht so aufbereiten, dass Nestle sie elektronisch weiterverarbeiten könne. „Wenn ein Unternehmen Rohstoffe liefert, dann erstellen wir selbst noch ein Palettenetikett, um die Ware zu vereinnahmen“, sagt Moise.

Die Europäische Union schreibt nicht vor, wie die Rückverfolgbarkeit organisiert wird. „Bei kleinen Betrieben kann das auch mit Leitz-Ordnern gehen“, sagt Anwalt Meier. Großen Unternehmen ist das indes nicht mehr möglich. Sie nutzen datenbankgestützte Systeme und verarbeiten die Informationen mit Hilfe des EAN-128-Strichcodes. Auf diese Weise wird eine genaue und rasche Warenverfolgung möglich. Der Strichcode enthält das Produktionsdatum, die Produktionscharge, das Gewicht und die Identität des Kunden, sowie rund 30 weitere Informationen. Wer in Deutschland an dem Verfahren teilnehmen möchte, muss sich an GS1-Germany wenden, das Zentrum für unternehmensübergreifende Geschäftsabläufe in der deutschen Konsumgüterwirtschaft. „Unsere Nummernsysteme sind weltweit gültig“, sagt Sabine Kläser von GS1-Germany. Man spüre derzeit eine rege Nachfrage.

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