Hersteller und Händler blicken mit Hoffen und Bangen ins zweite Halbjahr
Langsamerer Abwärtstrend in der Textilbranche

Klaus Brinkmann, Präsident des German Fashion Modeverbandes in Köln, muss all seinen Optimismus zusammenkratzen, um der aktuellen Lage noch etwas Positives abzugewinnen: Seit einem Jahrzehnt wird die deutsche Textilindustrie arg gebeutelt. Da fällt es schon unter die Rubrik „Gute Nachrichten“, dass sich die Talfahrt im ersten Halbjahr 2003 zumindest verlangsamt hat.

rv DÜSSELDORF. Für die Hersteller von Herren- und Knabenbekleidung (Haka) ermittelte der Verband German Fashion, ein Zusammenschluss aus den bisher selbstständigen Verbänden für Herren- und Damenoberbekleidung, einen Umsatzrückgang von 1,9 %. Bei den DOB-Herstellern fiel der Ernterückgang mit 2,2 % noch höher aus. Im Vorjahr lag das Minus jedoch bei etwa 5 %. Diese Zahlen präsentierte Brinkmann während der Pressekonferenz zur Modemesse „CPD Woman man“, die vom 3. bis 5. August in Düsseldorf stattfindet. Und auch beim Blick in die Zukunft will bei dem Verbands-Präsident kein Optimismus aufkommen.

Die Modeschneider rechnen im zweiten Halbjahr zwar mit einer Geschäftsbelebung und glauben, dass sich der Erlösrückgang auf 1,1 % bei Herren und 1,2 % bei Damen verbessern werde, wie der Verband German Fashion in einer Mitgliederbefragung ermittelte. „Das ist, wenn wir die Zahlen erreichen, sehr gut“, betont Brinkmann. Doch fehlt ihm noch der Glaube daran, „denn der Auftragsbestand weist ein deutliches Minus aus“, berichtet Brinkmann. Vor diesem Hintergrund erhofft sich die Zunft der Bekleidungshersteller frische Impulse von der Modemesse CPD. Zum dritten Mal präsentiert sich Düsseldorf als Gemeinschaftsessen für Damen- und Herren-Mode, seit die Kölner Herren-Mode-Woche im vergangenen Sommer eingestellt wurde.

Einen Ausweg aus der schwierigen Lage suchen die Hersteller, indem sie sich in Kooperationen immer enger mit dem Einzelhandel zusammenschließen. Denn die Händler erfahren in ihren Geschäften und Filialen aus erster Hand, was der Kunde will. Mit dieser Vertikalisierung der textilen Kette wollen Hersteller wie Händler die Vorteile nachempfinden, die vertikale Anbieter wie Hennes & Mauritz oder Zara im schnelllebigen Modegeschäft dadurch erzielen, dass sie vom Einzelhandel bis zur Produktion alles aus einer Hand machen – und somit schneller sind.

Dem Wunsch der Mode-Schneider nach frischen Impulsen begegnet Messeveranstalter Igedo Company mit neuen Konzepten: Etwa mit der CPD Sport, die in zwei Messehallen eine Plattform für Freizeit-Bekleidung (Casual/Lifestyle) bietet. Dadurch ist es dem geschäftsführenden Gesellschafter der Igedo Company, Manfred Kronen, immerhin gelungen, namhafte Anbieter wie die Münchener Escada mit ihrer Sport-Kollektion oder Willy Bogner aufs Messegelände zu holen. Für die Igedo ist das ein wichtiger Schritt, da immer mehr namhafte Markenhersteller in eigene Showrooms außerhalb der Messe abwandern.

Dem Einzelhandel will Kronen mit der Veranstaltung „Reevolutions“ die Ideen revolutionärer Designer nahebringen, die mit wenig kommerziellen, dafür aber ausgefallenen Konzepten für neue Highlights in den Bekleidungsläden sorgen könnten. Neue Ideen kann der Einzelhandel, der völlig von der schwachen Binnenkonjunktur abhängig ist, zweifellos brauchen. Denn im ersten Halbjahr verbuchte die Branche einen Umsatzverlust von 5 %, wie Heijo Gassenmeier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Kölner BTE (Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels) mitteilte. Neben der Kaufzurückhaltung macht der Verbandsvertreter die Rabattschlachten unter Deutschlands Einzelhändlern für die Umsatzerosion verantwortlich. „Damit löst man vielleicht kurzfristige Frequenz- und Liquiditätsprobleme. Die negative Folge ist aber ein massiver Margenverfall“, mahnt Gassenmeier zur Vernunft. Deutschlands Textileinzelhändler erzielten im Vorjahr einen Gesamtumsatz von 58 Mrd. Euro. Mit einer Belebung rechnen die Händler frühestens imSpätherbst, wenn die Bundesbürger abschätzen können, wie viel Geld ihnen die nächste Stufe der Steuerreform bringt – und wieder mehr konsumieren.

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