Mittelstand

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Hersteller von Industriemotoren: Die lange Geschichte der Mannheimer MWM

Seit der Trennung von Deutz setzt das von Carl Benz gegründete Traditionsunternehmen auf moderne Industriemotoren. Bisher zeigt sich das Unternehmen, das seit Oktober 2008 nur noch MWM GmbH heißt, von der Finanzkrise wenig betroffen - auch wenn die Finanzierung der Projekte zunehmend schwieriger werde.

Im Jahre 1894 steuert Firmengründer Carl Benz einen seiner Wagen. Heute stellt das Unternehmen nur noch Industriemotoren her. Foto: dpa Quelle: dpa
Im Jahre 1894 steuert Firmengründer Carl Benz einen seiner Wagen. Heute stellt das Unternehmen nur noch Industriemotoren her. Foto: dpa Quelle: dpa

MANNHEIM. Die Adresse zeigt den historischen Ort: Carl-Benz-Straße Nummer 1. 1871 gründete der Autopionier in der damaligen Mannheimer Innenstadt seine "Mechanische Werkstätte". Doch schon 1886 zog das junge Unternehmen an den heutigen Standort im Stadtteil Neckarstadt um. Im Treppenhaus der Hauptverwaltung steht noch ein originaler Einzylinder-Motor aus dem Jahr 1913 mit vier PS. Auch einige Hallen auf dem weitläufigen Industriegelände zeigen noch die alten Mauern, doch sie sind entkernt, modernisiert und für die heutigen Anforderungen umgerüstet. Motoren werden hier immer noch gebaut, allerdings keine Motoren für die Autoindustrie, sondern Industriemotoren für die dezentrale Stromerzeugung.

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Seit dem 1. Oktober 2008 nennt sich das Traditionsunternehmen nur noch MWM GmbH. Komplettanlagen zur dezentralen Stromerzeugung bilden das Produktionsprogramm - Motoren mit bis zu 20 Zylindern und einem Gewicht bis zu 50 Tonnen, die von Mannheim in alle Welt exportiert werden. "Dieser Markt wird weiter überproportional wachsen", sagt der seit Oktober amtierende Vorsitzende der Geschäftsführung Axel Weber.

Die Kunden findet er vor allem bei großen Industrieunternehmen, die Gasmotoren zur eigenen Stromerzeugung nutzen und die entstehende Abwärme zur Versorgung mit Wärme oder Kälte einsetzen. Aber auch Stadtwerke und Anlagenbauer von Biogasanlagen zählen zu den Kunden. Damit erzielte MWM 2007 einen Umsatz von 330 Mio. Euro. Für das inzwischen auf den Abschluss Ende Juni umgestellte Geschäftsjahr 2008/09 gibt er als Ziel einen Umsatz von 390 Mio. Euro an. Damit sieht sich MWM weltweit mit einem Marktanteil von 15 Prozent auf dem zweiten bis dritten Rang nach der zum GE-Konzern gehörenden österreichischen Jenbacher und fast gleichauf mit dem US-Konzern Caterpillar.

Von der aktuellen Finanzkrise sieht Weber die Anbieter von Motoren zur Energieerzeugung weniger betroffen als viele andere Branchen. Es gebe bisher keine Verschiebungen von Projekten, aber die Finanzierung werde schwieriger, betont er. "Man muss sich mehr anstrengen und intensiver um die Kunden kümmern", sagt Weber.

Der Markt für dezentrale Energieerzeugung ist in den letzten Jahren jeweils um 13 Prozent gewachsen. Gute Chancen sieht Weber weiterhin in den USA, wo MWM die Produktpalette erweitert hat. Hier sei das Unternehmen wegen der unterschiedlichen Stromtechnologie bisher kaum vertreten gewesen. Aber auch in China erwartet MWM weiter Aufträge. Durch den Ausbau der Kohleförderung in dem Land falle in großem Umfang Grubengas an, was einen stabilen Markt biete. In Deutschland gilt der Markt für große Biogasanlagen als Hoffnungsträger. Nach der Neuregelung der Förderung hat sich die Nachfrage wieder belebt.

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