Herz der brasilianischen Wirtschaft
São Paulo, was sonst?

São Paulo, was sonst? – so lautete stets die Devise bei einem Enga-gement in Brasilien. Doch die Strahlkraft der größten „deutschen“ Industriestadt im Ausland nimmt ab. Welche Vorteile hat der Standort heute noch zu bieten?

SAO PAULO. Während sich der Tourist für Rio de Janeiro, die Iguaçu-Wasserfälle oder den Amazonas begeistert, denkt der Unternehmer zuerst an São Paulo. Schließlich werden im gleichnamigen Bundesstaat mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und 40 Prozent der industriellen Wertschöpfung der Föderativen Republik Brasilien erwirtschaftet. Die Industriemetropole ist das wirtschaftliche Herz des Landes, dessen Pulsschlag für die landesweite Konjunktur noch immer den Takt vorgibt.

Allerdings ging der Anteil des Bundesstaats São Paulo am brasilianischen BIP in den letzten 15 Jahren um mehr als sechs Prozentpunkte zurück. Die hohe Kriminalität sorgt für Zusatzkosten bei den Unternehmen, die Umweltbelastung ist hoch und die Straßen sind meist verstopft. Andere aufstrebende Regionen und Bundesstaaten haben gleichzeitig an Attraktivität gewonnen. Für viele Unternehmen überwiegen jedoch nach wie vor die Vorteile der Megalopolis.

„In erster Linie ist trotz allem die Logistik zu nennen“, sagt Markus Klein, bis Ende 2007 Geschäftsführer der brasilianischen Tochtergesellschaft der Maschinenfabrik Rheinhausen. „São Paulo ist am besten mit den anderen Regionen Brasiliens verbunden, und deshalb kommt man um diesen Standort einfach nicht herum“, erläutert Klein. Als Hersteller von Ausrüstungen für den Energiesektor sei er auf schnelle Wege besonders angewiesen. Die Produkte müssen rasch zum Kunden und auch die Vorerzeugnisse sollten in kürzester Zeit erhältlich sein. Für Klein spielt dabei nicht nur der Transport von Materialien eine Rolle. Auch Vertriebs- und Servicemitarbeiter müssen schnellstmöglich zu den Kunden in Brasilien und ganz Südamerika gelangen können – und dies ist seiner Ansicht nach nur von São Paulo aus möglich.

São Paulo gilt auch in vielen anderen Bereichen weiterhin als Benchmark im innerbrasilianischen Vergleich. Nirgendwo sonst findet sich eine derart breit gefächerte Dienstleistungspalette. Hier zücken die meisten Konsumenten die Kreditkarten und von hier aus nehmen die neuesten Trends ihren Weg in die restlichen Regionen Brasiliens. Von den rund 1.200 deutschen Unternehmen, die in Brasilien Niederlassungen haben, finden sich etwa 800 in der 20-Millionen-Stadt. Das Netzwerk deutscher Firmen und Institutionen ist sehr dicht, die größte Auslandshandelskammer (AHK) der Welt hat hier ihren Sitz.

Mittlerweile wächst die Industrie des Bundesstaates São Paulo auch wieder stärker als im Rest des Landes: Im ersten Halbjahr 2007 lag die Steigerungsrate gegenüber der Vorjahresperiode bei fast sieben Prozent, während landesweit insgesamt nur 4,8 Prozent er- zielt wurden. Der Unternehmerverband CNI (Confederação Nacional da Indústria) sieht vor allem gute Chancen für Industriebetriebe mit einer hohen Wertschöpfung. In diesem Segment könne São Paulo seinen Vorteil einer hoch qualifizierten Arbeiterschaft am besten ausspielen, so die Firmenvertreter.

Die industrielle Basis ist in São Paulo sehr breit, nahezu sämtliche Branchen sind hier vertreten. Ob Elektrotechnik, chemische Industrie, Maschinenbau oder Kfz-Sektor – der Stammsitz der Unternehmen und die größte Fabrik befinden sich im Regelfall im Großraum São Paulo. Besonders die Kfz-Hersteller können sich derzeit über immer neue Absatzrekorde freuen. Allerdings hat sich der Anteil des Bundesstaats an der gesamten Kfz-Produktion Brasiliens zwischen 1990 und 2006 von rund 75 Prozent auf knapp 50 Prozent verringert.

Seite 1:

São Paulo, was sonst?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%