Büttenpapierfabrik Gmund
Wo die Yahoo-Chefin ihre Einladungskarten kauft

Ob edle Weihnachtsgrüße, das Papier für die Oscar-Verleihung oder Einladungskarten für Marissa Meyer – Gmund ist Marktführer für teures Papier. Aber das exklusive Image kann auch zum Verhängnis werden. 
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MünchenEs ist die Zeit der Grußkarten. Besinnliche Weihnachtsfeiertage werden gewünscht, meistens auch gleich ein guter Start ins Jahr 2015. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass eine der Karten, die auf Ihrem Schreibtisch liegen, aus schwerem Papier aus Oberbayern gefertigt ist. Es hängt davon ab: Wie viel sind Sie Ihren Geschäftspartnern wert?

Caroline Pastor könnte das auf der Stelle sagen: Ob das Papier einer Weihnachtskarte aus Gmund stammt oder nicht. Ob sie also 50 Cent kostet oder fünf Euro. Die PR-Chefin der Büttenpapierfabrik Gmund streicht über Papierbögen. „Das ist aus Leinen“, sagt sie, „das aus Zellstoff.“ Ein anderes ist mit Steinstaub beschichtet, es soll sich wie Beton anfühlen.

Pastor reicht die vielen Proben weiter. „Fühlen Sie mal.“ Sie nennt Stärken, Schwere, Beschichtungen. Papier ist hier eine sehr ernste Sache, Handwerks- und Ingenieurskunst. Am Tegernsee, 50 Kilometer von München entfernt, gibt es seit 190 Jahren eine Papierfabrik, die so heißt wie der Ort, in dem sie steht: Gmund. Ein mittelständisches Unternehmen, 128 Mitarbeiter. Im sehr exklusiven Papiersegment ist Gmund, wie man beim Verband der Papierindustrie erfährt, unangefochtener Marktführer.

Der Büttenpapierfabrik geht es nach eigenem Bekunden bestens. Die Geschäftszahlen veröffentlicht das Familienunternehmen nicht, auch wie viel Papier hergestellt wird, ist ein Geheimnis. Aber die Zahl der Mitarbeiter steige „langsam, aber stetig“, heißt es, der Umsatz wächst seit fünf Jahren - zum Teil im starken zweistelligen Prozentbereich. 2008 und 2009 bekam die Erfolgsgeschichte eine Delle, auch in der bayerischen Provinz schlug die Wirtschaftskrise zu. Dann aber ging es bei Gmund wieder bergauf – im Gegensatz zum Rest der Branche. Die Papierindustrie schrumpft. Besonders den Druckpapierherstellern geht es schlecht: Der Markt ist überschwämmt, die Preise im Sinkflug.

Papier ist schließlich von gestern. Nachrichten lesen viele im Netz, nicht mehr auf dünnen Zeitungsbahnen. Zu umständlich, zu teuer. Nicht wenige Firmen sind stolz, dass sie fast vollständig auf Papier verzichten. Notizen werden ins Smartphone getippt und wer schreibt heute noch Briefe? Alles digital, auch der Umwelt zuliebe.

Marissa Meyer soll auch zu diesen Menschen gehören, die ihr Leben fast ausschließlich digital, papierlos führen. Als die heutige Yahoo-Chefin vor ein paar Jahren heiraten wollte, kam sie nach Gmund. Sie suchte nach dem richtigen Papier für ihre Hochzeits-Einladungen. Es sollte etwas Besonderes sein.

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