Familienzwist in der Fleischbranche
Tönnies gegen Tönnies

So erbittert wird nur in Familien gestritten: Vertreter des Fleischerimperiums Tönnies treffen sich vor Gericht. Sie streiten über die letzten Worte des Firmengründers – und darüber, wer künftig die Macht hat.
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DüsseldorfBei einer Fehde unter Metzgern drängen sich manche Wortspiele geradezu auf: Da werden die Messer gewetzt, da wird gekämpft bis aufs Blut. Wenn sich die Fleischerfamilie Tönnies ab heute in einem Saal des Bielefelder Landgerichts streitet, dürfte es voraussichtlich zivilisierter zugehen, gefochten wird höchstens mit scharfen Worten. Doch ohne Frage tritt ein epischer Konflikt zu Tage. Die Kontrahenten reden nur noch über Anwälte miteinander – die Auseinandersetzung ist so erbittert, wie es nur in Familien vorkommt. Eine außergerichtliche Einigung scheiterte vor Gericht.

Die Richter müssen entscheiden, ob eine Übertragung von Unternehmensanteilen vor einigen Jahren gültig ist. Im Kern geht es aber nicht um Feinheiten des Schenkungsrechts, sondern vielmehr um die Machtfrage: Wer hat das Sagen im Unternehmen? Clemens Tönnies, der langjährige Chef und Bruder des Unternehmensgründers, der als Funktionär beim Fußballverein Schalke 04 einem breiten Publikum bekannt ist? Oder Robert Tönnies, Sohn des Gründers, der sich von seinem Onkel übervorteilt fühlt? Es steht viel Geld auf dem Spiel: Deutschlands größter Fleischkonzern verbuchte 2013 einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro.

Um den Konflikt zu verstehen, muss man mehrere Jahrzehnte zurückblicken. Bernd Tönnies, Bruder des heutigen Chefs Clemens und Vater von Robert, baute das Unternehmen auf. 1971 gründete der Metzgersohn im ostwestfälischen Rheda eine Fleischfirma, die auf Effizienz getrimmt war: Er ließ die Schweine direkt im Schlachthof zerlegen und verwertete so viele Einzelteile wie möglich selbst. Damit nahm er die Entwicklung der gesamten Branche vorweg. Heute wird selbst der Darmschleim der Tiere genutzt: Daraus lässt sich der Blutgerinnungshemmer Heparin gewinnen.

In den 1980er-Jahren stieg Clemens Tönnies ein und leitete den Vertrieb. Gemeinsam bauten die Brüder ein florierendes Unternehmen auf. Zimperlich waren sie nicht. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ bezeichnete den Gründer als „rauhbeinigen Aufsteiger, der billige Leiharbeiter beschäftigte und Schweinen vor dem Wiegen gelegentlich die Ohren abschneiden ließ, um ostdeutschen Züchtern weniger bezahlen zu müssen.“

Kommentare zu " Familienzwist in der Fleischbranche: Tönnies gegen Tönnies"

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  • Sollen sie sich doch gegenseitig schlachten!

  • Tönnies zahlt Hungerlöhne!

  • Zerfleischung einmal anders... :-DD

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