Hidden Champion Geutebrück
Die Deutsche, die den Kreml überwacht

Die Videoanlagen der Unternehmerin Katharina Geutebrück sichern wichtige Plätze – von der Oper in Sydney über den Moskauer Kreml bis hin zum Weltraumbahnhof in Kourou. Dabei begann das Geschäft mit einer Schlappe.
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WindhagenDer Ausblick, den Katharina Geutebrück im Ausbildungsraum ihres Unternehmens hat, bietet Idylle und Metropole zugleich: Blickt die Unternehmerin aus dem Fenster, kann sie den Kühen beim Weiden zusehen. Dreht sie den Kopf ein Stück zur Seite, wo eine riesige Wand mit Monitoren steht, hat sie freie Sicht auf die Oper in Sydney, eine Tankstelle in Wien und einen Fußgängerüberweg in Berlin.

Die halbe Welt ist von dem holzvertäfelten Raum aus, in dem beschaulichen Örtchen Windhagen bei Bonn, einsehbar. Möglich wird das durch die Videoüberwachungssysteme, die der Familienbetrieb Geutebrück dort seit 1970 herstellt. Die Kundenliste des Hidden Champions aus der Provinz trumpft mit prominenten Namen auf: Die Banque de France wird ebenso mit der Technik des deutschen Mittelständlers gesichert wie der Kreml in Moskau oder der Weltraumbahnhof in Kourou. In Deutschland sichern die Kameras von Geutebrück zahlreiche Ministerien und Justizvollzugsanstalten. Auch auf der Berliner Museumsinsel wachen die elektronischen Augen aus Windhagen über die kulturellen Schätze.

In der Branche genießt Geutebrück einen exzellenten Ruf. Der Bundesverband Sicherheitstechnik sieht in dem Unternehmen „einen der innovativsten in dem Bereich“ und hebt dessen internationale Reputation hervor. Doch wie kann sich das 220-Mann-starke Familienunternehmen mit einem Umsatz von rund 34 Millionen Euro gegen die Big Player der Sicherheitsbranche wie Bosch behaupten?

Was für Außenstehende ein Rätsel sein mag, ist für die Mitarbeiter in Geutebrück verordnete Selbstverständlichkeit: „Wir sind der Maßstab“, sagt Katharina Geutebrück selbstbewusst. Sie leitet das Unternehmen zusammen mit ihrem Mann Christoph Hoffmann. Den Erfolg verdankt Geutebrück aber keineswegs nur der ausgefeilten Technik und Software der Server und Kameras. Es gehe vielmehr um ein vertrauensvolles Verhältnis zum Kunden. „Wir verkaufen ihm nicht unbedingt, was er will, sondern das, was er braucht“, informiert Katharina Geutebrück und verzichtet dabei auch auf den einen oder anderen Geschäftsabschluss: „Wenn der Kunde etwas braucht, was wir nicht haben, schicke ich ihn auch schon mal zur Konkurrenz.“

Dass Geutebrück heute Überwachungssysteme von Weltrang herstellt, geht letztlich auf die Langeweile zurück, die den Ingenieur Thomas Geutebrück bei seiner Arbeit plagte. Für das Militär sollte er nach dem Krieg eine Radaranlage warten. Da diese aber ohne Störung arbeitete, blieb ihm viel Zeit für die Lektüre von englischen Fachzeitschriften für Elektrotechnik. Nachdem er in den Kleinanzeigen japanische Fotoüberwachungskameras entdeckt hatte und ihm ein befreundeter Bankangestellter vom Bedarf in der Branche erzählte, war die Geschäftsidee geboren: Geutebrück wollte deutsche Banken mit japanischen Überwachungskameras beliefern.

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