Hidden Champion Koehler Paper
Das Welthauptdorf des Bierdeckels

Die Koehler Paper Group ist Marktführer mit Kassenbons, Schießscheiben-Papier oder Spielkarten im Casino – und das seit Generationen. Das emotionalste Produkt des Familienunternehmens ist aber ohne Frage der Bierdeckel.
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OberkirchKai Furler lässt seine Arbeit auch nach Feierabend nicht los. Abends beim Bier in der Kneipe macht er stets den Test: Lässt sich die obere Schicht des Bierdeckels in einem Ratsch abziehen? Oder lässt sie sich nur schnipselweise abreißen? Trifft Letzteres zu, kann Furler sicher sein, dass unter seinem Bierglas ein Produkt aus der eigenen Firma liegt. „Es gibt natürlich diese rundausgeschnittenen Papiererzeugnisse, die man unter ein Glas legen kann, die die Funktionalität eines Bierdeckels aber nicht erfüllen“, so der Vorstandsvorsitzende der Papierfabrik August Koehler Paper mit Hauptsitz im baden-württembergischen Oberkirch kurz vor Straßburg.

Der Firmenchef schätzt, dass in Europa, Nord- und Südamerika über 70 Prozent der Bierdeckel aus seinem Haus kommen. In der Unternehmensgruppe, die mehr als 1.700 Mitarbeiter beschäftigt, fällt diese Weltmarktführerschaft allerdings kaum ins Gewicht. Bierdeckel und andere Produkte aus der sogenannten Holzschliffpappe wie Kinderbücher und Duftbäume machen nur 6 Prozent vom Gesamtumsatz aus, der 725 Millionen Euro beträgt. Furler: „Ohne den Bierdeckel kleinreden zu wollen, das ist nur ein Segment, in dem wir Marktführer sind.“ Koehler Paper steht für Spezialpapiere in verschiedenen Bereichen und behauptet, in fünf Segmenten Marktführer zu sein: Thermopapiere, technische Spezialpapiere, Dekorpapiere, Selbstdurchschreibepapiere oder farbige Papiere.

Einen Teil der rund 240.000 Tonnen thermosensitiven Papiers, die Koehler Paper jährlich produziert, dürften die meisten schon mal in der Hand gehalten haben – darauf gedruckt der Strafzettel, der Boarding Pass, das Klebeetikett von der Supermarktwaage und an der Kasse dann die Quittung auf Koehler-Papier. „Das ist unser größtes Segment, da haben wir die deutlichste Marktführerschaft“, erzählt Furler stolz. Ähnlich die Dominanz bei einigen Nischenprodukten: Der größte Anteil vom weltweiten Schießscheiben-Papier kommt aus dem Werk in Süddeutschland; mit den Spielkarten zocken Casino-Besucher von Las Vegas bis Macao.

Selbst ist das Unternehmen von risikoreichen Glücksspielen weit entfernt. „Wir haben unsere Hausaufgaben schon vor der Krise gemacht und konnten daher flexibel auf das schwierige Marktumfeld reagieren“, erklärt Furler und verweist auf die über 55 Prozent Eigenkapitalanteil im Unternehmen. Man sei noch gestärkt aus der Finanzkrise hervorgegangen; so habe diese etwa die Übernahme der Katz GmbH & Co. KG möglich gemacht – des Unternehmensteils, der die so beliebten Bierdeckel herstellt. „Sie waren schon Weltmarktführer, Kostenführer wurden sie erst innerhalb der Koehler-Gruppe“, sagt Furler, der mit der Entwicklung seit der Insolvenz zufrieden ist.

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