Hidden Champion Sick
Der Wächter der schönen Mona Lisa

Mit High-Tech-Sensoren ist Sick aus dem Schwarzwald erfolgreich. Sie schützen Gemälde ebenso wie Fabrikarbeiter. Der Aufstieg zum Weltmarktführer gelang durch friedliche Nutzung militärischen Wissens.
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Waldkirch, DüsseldorfHinter dem Firmengelände der Sick AG beginnt der Schwarzwald. Der Dettenbach schlängelt sich an den Gebäuden vorbei durchs Elztal. Das Glottertal, berühmt durch die TV-Serie Schwarzwaldklinik, ist nur einen Bergrücken und ein Tal weiter von Waldkirch entfernt.

Hier, bei einem der erfolgreichen, aber nahezu unbekannten deutschen Mittelständler, führt ein Doktor der Elektrotechnik Regie, mit Schwerpunkt auf Elektrophysik und Optik. Seit Oktober 2006 leitet Robert Bauer, 54, den Weltmarktführer der Laserscanner- und Sicherheitssensoren als Familienfremder. Großen Wirbel macht er nicht um sich und das Unternehmen mit über einer Milliarde Euro Umsatz und 6.500 Beschäftigten.

Aber wenn er über sein Portfolio redet, ist er Feuer und Flamme: Aus Waldkirch kommt High-Tech-Sensorik mit mehr als 52.000 Produktvarianten. Kaum eine automatisierte Produktion in der Welt kann auf die Intelligenz der Sick-Sensoren verzichten. „Die größte Herausforderung ist es, die Komplexität des Geschäfts profitabel zu managen“, sagt Bauer. 2013 gelang das ganz gut. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen erreichte mit 88,3 Millionen Euro fast neun Prozent vom Umsatz.

Laserdetektoren aus dem Schwarzwald identifizieren Lastwagen an Mautstellen, positionieren Container auf Überseeschiffen und schützen die Mona Lisa im Pariser Louvre vor Diebstahl genauso wie Industriearbeiter am Band vor Verletzungen. Fahrerlose Transportfahrzeuge sind schon heute mit Sensoren aus Waldkirch ausgestattet; sie ermöglichen künftig das autonome Autofahren.

Sicks Sensoren messen den Gasdurchfluss einer Pipeline und scannen rasch das Gepäck an Flughäfen. Für die Entstickung der Emissionen von rund 600 Kohlekraftwerken in China liefern die Schwarzwälder die Technik. „Unsere Sensorik misst optisch die chemischen Eigenschaften, nämlich das Spektrum der Moleküle“, sagt Bauer über das Wachstumsfeld Umwelttechnik.

Wer die Firma ganz verstehen will, muss zur Historie. Der 1909 geborene Unternehmensgründer Erwin Sick arbeitete als gelernter Optiker und Feinmechaniker vor dem Krieg bei Askania in Berlin. Dort entwickelt er einen lichtelektrischen „Steuerknüppel“, mit dem man Flugzeuge fernsteuern konnte. 1939 wollte er Elektrotechnik studieren - aber die Nazis verweigerten dem Arbeitersohn das zur Finanzierung notwendige Stipendium, weil er nicht in die SA oder die Partei will.

Er geht nach München zu Steinbeil und Söhne und entwickelt fürs Militär Zieloptiken. Studieren durfte er noch immer nicht. Darunter litt er, der Job in der kriegswichtigen Industrie ersparte ihm jedoch die Front.

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Über 100 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung

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  • Der Erfolg hängt von den Mitarbeitern ab. Das ist der Geschäftsleitung von Sick bekannt und entsprechend handelt sie. Die Apfelkörbe zur Selbstbedienung überall in den Gebäuden sind nur ein Symptom.

    Kommentar eines Bekannten aus Freiburg/Br.: "Der beste Arbeitgeber weit und breit!" Nein, er arbeitet nicht da: Er ist selbständig und hat das Arbeitnehmerdasein lange hinter sich.

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