Hidden Champion Utsch
Der Schilderkönig von Siegen

Manfred Utsch formte aus der elterlichen Firma den Weltmarktführer für Kfz-Kennzeichen und Prägemaschinen. Sein Credo: „Du musst zäh, aber freundlich sein.“ Auch dann, wenn plötzlich ein Revolver auf dem Tisch liegt.
  • 1

SiegenEs ist laut, hell und geschäftig in der Produktionshalle der Utsch AG in Siegen. Vom Band des Spezialisten für Kfz-Schilder laufen gerade Nummernschilder für Deutschland, nebenan werden Schilder mit DK für Dänemark verpackt. Noch ein Stück weiter strahlen frische Schilder in Orange. Sie sind für Kamerun bestimmt.

Alles läuft, die Mitarbeiter grüßen den Firmeneigentümer Manfred Utsch aufmerksam, sie sind bereit, auf Fragen zu antworten. Doch der Blick von Manfred Utsch schweift umher, und er findet auch etwas, das hier nicht stimmt: Auf einer Aluminiumrolle, aus der die Nummernschilder geschnitten werden, steht als Empfänger gar nicht Utsch, sondern ein Konkurrent.

Den wachsamen Augen von Manfred Utsch scheint nichts zu entgehen. Weltmarktführer oder „Schilderkönig“, wie ihn die Medien nennen, wird man, wenn man aufpasst. Wenn man Chancen erkennt - und wenn man die Kontrolle behält. Dass das Unternehmen Utsch heute Weltmarktführer für Kfz-Kennzeichen, die dazugehörige Herstellungstechnologie und Registrierungssysteme ist, verdankt es dem unbändigen Gestaltungswillen von Manfred Utsch.

Der 78-Jährige könnte mit Zahlen glänzen: 550 Mitarbeiter, davon 220 in Siegen, 300 Millionen Euro Umsatz. Doch für den früheren Chef und heutigen Hauptaktionär sind es die Geschichten, die er auf seinen unzähligen Reisen erlebt hat. Er hat sich weder von einschlafenden Taxifahrern, die er mit Volksliedern auf einer 1.000 Kilometer langen Tour wachhielt, noch von Revolvern auf dem Verhandlungstisch einschüchtern lassen.

Das Ergebnis: Heute werden 80 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Seit der Umwandlung in eine AG führte Helmut Jungbluth zwölf Jahre die Geschäfte für Hauptaktionär Manfred Utsch, der im Aufsichtsrat sitzt. Sohn Marc-Albert, der als designierter Nachfolger galt, verließ im Februar dieses Jahres das Unternehmen.

Seit Monatsbeginn ist der neue dreiköpfige Vorstand mit Tilman Schwinn für den Vertrieb, Marc Nedecky für die Finanzen und Wolfgang Bilger für die Technik komplett. „Gestaltungsspielräume, wie sie Manfred Utsch einst hatte, wird der neue Vorstand sich erst noch erarbeiten müssen“, erklärt ein langjähriger Unternehmenskenner.

Kommentare zu " Hidden Champion Utsch: Der Schilderkönig von Siegen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ist das auch der Lobbyist, der verhindern will, dass man die Kennzeichen - Schilder bei der Ummeldung nach Umzug oder Halterwechsel behalten kann?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%