Karriere bei Hidden Champions
Durchstarten in der Nische

Welchen Bewerber zieht es schon in die Provinz? Die meisten Absolventen strömen lieber zu Konzernen von Weltrang. Dabei haben die kleinen Weltmarktführer einiges zu bieten – und in der Nische schlummern Traumkarrieren.
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DüsseldorfSie produzieren Seifenblasen für die ganze Welt, Achterbahnen für Disneyland, Rollen von Klinikbetten, machen Wurst mit Gesicht oder kreieren das Silberbesteck fürs Bundeskanzleramt: Deutschlands Hidden Champions. Hoch spezialisierte Mittelständler, die mit ihren Produkten den internationalen Markt beherrschen und in deren Adern Herzblut fließt. „Flink, hungrig und global“, so beschreibt das US-Magazin Businessweek diese deutschen Weltmarktführer, die Milliardenumsätze liefern.

Doch trotz ihres herausragenden wirtschaftlichen Erfolgs sind die rund 1.300 Unternehmen in der Bevölkerung kaum bekannt – mit dramatischen Folgen. Immer mehr dieser „heimlichen Helden“ suchen Hände ringend nach neuem Personal. „Ein häufiger Grund für die Unbekanntheit liegt in der hohen Spezialisierung auf einzelne Produkte“, erklärt Konstantin Janusch, Gründer der Plattform Yourfirm.de, auf der Hidden Champions ihre freien Stellen offerieren können. „Da kommen flächendeckende Werbe- und Anwerbemaßnahmen schon alleine wegen der Unternehmensgröße nicht in Frage“, so Janusch. „Und wenn man eine Firma nicht kennt“, weiß der Unternehmensberater Hermann Simon, „bewirbt man sich auch nicht bei ihr.“

So sind nach den jüngsten Zahlen des Ernst & Young Mittelstandsbarometers 2014 derzeit über 326.000 Stellen unbesetzt. Über 70 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen gaben in der Studie an, dass sie sehr große Probleme dabei haben, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden. Während Global Player täglich mit Lebensläufen, Zeugnissen und Anschreiben überschwemmt werden, können die kleinen Weltmarktführer nicht mit schillerndem Image und bekannten Namen beeindrucken. Sie kämpfen mit ihrer Unbekanntheit.

Auch Klebstoffhersteller Delo aus dem oberbayrischen Windach sucht „wie wild“ nach Ingenieuren, wie Eigentümerin Sabine Herold erzählt. In 80 Prozent aller Chipkarten weltweit stecken die Kleber aus dem Voralpenland, behauptet die Firma, in mindestens der Hälfte aller Handys fänden sich irgendwo Spritzer der zähen Masse von Delo. „Jeder kennt BASF, VW und Porsche, aber Delo nicht unbedingt. Wir sind leider hidden.“ Und so können manchmal zwei Jahre ins Land ziehen, bis eine Stelle mit dem passenden Kandidaten besetzt ist.

Dabei kann sich Delo über einen Mangel an Nachwuchskräften eigentlich nicht beklagen. Pro Jahr gehen bei dem Unternehmen, dass aktuell 410 Mitarbeiter beschäftigt, 8.500 Jobanfragen ein. Herold: „Im Grunde mangelt es uns ja auch nicht an Bewerbungen, sondern an qualitativ hochwertigen Fachkräften im technischen Bereich.“

Ein zusätzliches Manko ist dann oft noch der Firmensitz, fernab von urbanen Metropolen und Ballungsräumen. Rund zwei Drittel der heimlichen Helden, so der Experte Simon, der den Begriff „Hidden Champions“ geprägt hat, haben ihre Zentrale im ländlichen Raum. „Gegenüber großstädtischen Standorten hat die Provinz in den letzten Jahren an Attraktivität verloren.“ Auch der demografische Wandel wird das Problem zukünftig noch deutlich verschärfen.

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  • Den im Artikel dargestellten Unternehmer (man verzeihe mir die männliche Form) und Unternehmen gebührt höchstes Lob. Das sind Beispiele für unternehmerische Glanzleistungen.

    Die reale Situation der produzierenden Unternehmen im deutschen Mittelstand ist jedoch viel zu unterschiedlich. Pauschale Aussagen sind wenig wert.

    Es gibt ihn, den Fachkräftemangel. In einzelnen Regionen und bei bestimmten Qualifikationen. In der Breite. Eher kaum.
    Warum?
    Von 1990 bis heute ist die Anzahl der Arbeitnehmer (im produzierenden Gewerbe) von ca. 10 Mio auf ca. 7 Mio zurückgegangen ist. Vor diesem Hintergrund relativiert sich das Geschrei um fehlende Arbeitskräfte.

    Die realen Gehälter im deutschen Mittelstand sind durchwachsen. Leider sind diese oftmals deutlich unter den Bezügen, wie diese in Großunternehmen, Banken/Versicherungen und im Beamtenverhältnis gezahlt werden (bei Beamten kann man nur Netto-Bezüge vergleichen).

    Nehmen wir mal das Beispiel eines mittelständischen Ingenieurdienstleisters. Auf der Webseite sind zahlreiche Stellen für hochqualifizierte technische Spezialisten (ausschließlich mit Studium) zu finden. Auf das „junge Team“ wird hingewiesen. Bei der Bezahlung erlebt man eine Überraschung: Der Bank- oder Versicherungsangestellte (mit Ausbildung) erhält mit seinen ca. 25 Jahren (Abschluss der Ausbildung mit ca. 21 Jahren) ein identisches Gehalt wie der Universitätsabsolvent, der bei diesem Dienstleister anfängt (Beispiel: Tarifgruppe 4/5 mit üblichen Sonderzahlungen, Versicherungswesen: Bruttogehalt ca. 40 kEuro / Jahr). Zur Krönung gibt es oftmals einen befristeten Vertrag. Wenn doch der Ingenieurmangel so groß ist, warum steigen dann nicht die Gehälter?

    Leider gibt es im Mittelstand auch die andere Seite. Branchen mit sehr schwieriger Entwicklung (zB Druckereien, Logistik) sowie Eigentümer,die ihre Unternehmen meistbietend verkaufen....

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