Kleber für 1000 Euro das Kilo
„Wir stürzen uns auf wachsende Märkte“

Ob für Chipkarten oder Parfumflakons: Beim Klebstoffhersteller Delo tüfteln Experten oft jahrelang an der Formel. Danach sprudeln die Gewinne. Das Wichtigste für Eigentümerin Sabine Herold – Spaß an der Arbeit.
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WindachWenn Sabine Herold aus dem Fenster ihres Büros schaut, dann sieht sie alle paar Minuten mächtige Transportflugzeuge der Bundeswehr, die sich in den Himmel erheben. Nur ein paar Kilometer von der Firmenzentrale von Delo im bayerischen Windach entfernt liegt hinter einem Hügel versteckt der Fliegerhorst von Landsberg am Lech.

Die Unternehmerin genießt den Blick aus dem lichtdurchfluteten Raum in die ländliche Umgebung und den weiß-blauen Himmel. Sie weiß: Nicht nur die Armeemaschinen sind auf Höhenflug, auch für ihre Firma geht es aufwärts. „Eine Umsatzverdoppelung alle fünf Jahre ist drin“, sagt die Chemieingenieurin selbstbewusst.

Gemeinsam mit ihrem Mann hat Herold den Klebstoffhersteller Delo 1997 in einem Management-Buy-out übernommen. Ein Wagnis, das sich schon lange gelohnt hat: Die Erlöse wachsen kräftig und haben vergangenes Geschäftsjahr knapp 60 Millionen Euro erreicht, ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber großen Konkurrenten wie dem Düsseldorfer Dax-Konzern Henkel oder Sony aus Japan ist der Mittelständler aus dem bayerischen Voralpenland zwar geradezu winzig. Dafür hat das Unternehmen in einigen ausgewählten Bereichen einen riesigen Marktanteil: In 80 Prozent aller Chipkarten weltweit stecken die Kleber von Delo, behauptet die Firma, in mindestens der Hälfte aller Handys fänden sich irgendwo Spritzer der zähen Masse aus Windach.

„Wir stürzen uns auf wachsende Märkte“, erläutert Herold ihre Strategie. So wie bei den Kredit- und EC-Karten, die jeder im Portemonnaie mit sich trägt. Früh hatte Herold erkannt, dass die althergebrachten Magnetstreifen einmal durch die wesentlich sichereren Halbleiter ergänzt würden. Doch die kleinen elektronischen Bauteile müssen irgendwie auf den Plastikkarten befestigt werden. Also tat sich die forsche Unternehmerin mit dem Münchener Chipproduzenten Infineon zusammen und entwickelte einen passenden Klebstoff.

Sieben Jahre tüftelten die Ingenieure, dann hatten sie endlich die richtige Formel gefunden. Seither sprudeln die Einnahmen, denn auch der niederländische Infineon-Wettbewerber NXP gehört längst zu den Abnehmern. Ein aufwendig entwickelter Klebstoff aus den Labors von Delo koste schon mal 1.000 Euro und mehr das Kilo, erklärt Bernd Scholl. Der Diplomingenieur leitet die Prozessentwicklung. In den großen Laboratorien der modernen Firmenzentrale werden die Produkte eingehend getestet und daraufhin optimiert, dass sie die Anforderungen der Kunden haargenau erfüllen. Scholl: „Wir überprüfen die Festigkeit, schauen, wie lange die Klebstoffe brauchen, um auszuhärten, oder wie sie sich verhalten, wenn es eiskalt oder sehr warm wird.“

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  • GENAU DAMIT produziert man Geräte, die man nicht mehr reparieren kann.

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