Marktführer bei Schalenkoffern
Samsonite gegen den Rest der Welt

Der Markt für Reisegepäck ist hart umkämpft. „Unser größter Konkurrent ist der No-Name-Markt“, sagt Tim Parker, Chef des Marktführers Samsonite. Die Billigheimer haben inzwischen 70 Prozent des Marktes erobert.
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OudenaardeDie große Waschtrommel aus Holz dreht sich langsam. Sie nimmt den gelben Schalenkoffer ein Stück mit in die Höhe und lässt ihn dann polternd sich überschlagen. Das wiederholt sich immer wieder. Der Koffer sieht arg ramponiert aus. Aber die Scharniere und Reißverschlüsse halten den Dauerbelastungen stand.

Samsonite unterzieht sein Reisegepäck im Testzentrum in der Europazentrale im belgischen Oudenaarde bei Gent harten Prüfungen. Mit hohem Qualitätsanspruch will sich die weltweite Nummer eins der Koffermarken gegen die vielen Billigkonkurrenten behaupten. „Wir wollen den Umsatz in den kommenden fünf Jahren verdoppeln“, sagte Samsonite-Chef Tim Parker dem Handelsblatt.

Im vergangenen Jahr steigerte das ursprünglich amerikanische Unternehmen, das seit 2007 seinen Sitz in Luxemburg hat und an der Hongkonger Börse notiert, seinen Umsatz um 15 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen stieg um 18 Prozent auf 338 Millionen US-Dollar.

Das hohe Umsatzziel für die kommenden fünf Jahre kann der Konzern mit „organischem Wachstum“, also aus eigener Kraft, erreichen, ist Parker überzeugt. Doch er hält auch Ausschau nach Akquisitionen. Heute schon hat er unter dem Dach Samsonite zahlreiche Marken wie American Tourist, Hartmann oder High Sierra versammelt. So will er möglichst viel vom weltweiten Koffermarkt im mittleren und gehobenen Preissegment abdecken.

Denn der Markt für Reisegepäck wächst, ist aber hart umkämpft. Der weltweite Reiseverkehr ist nach Berechnungen der World Tourism Organization (UNWTO) um fünf Prozent auf 1,1 Milliarden Reisende gestiegen. Parker erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Samsonite führt zwar die Riege der Markenhersteller an. So lag der Marktanteil nach den letzten Berechnungen von Frost & Sullivan 2011 bei 9,6 Prozent, während die nächsten Konkurrenten wie Tumi USA (1,6 Prozent), ACE USA (1,5) und der nächste deutsche Rimowa (0,6) mit großem Abstand folgen. Aber nicht die Markenkonkurrenten sind das Problem des Marktführers, sondern die Billigheimer. „Unser größter Konkurrent ist der No-Name-Markt“, räumte Parker ein. Die Billigmarken haben inzwischen 70 Prozent des Marktes erobert.

In Asien gilt der Schalenkoffer als Statussymbol

Dagegen versucht sich der Marktführer mit neuen Technologien zu behaupten. So werden in Belgien Schalenkoffer aus Curv-Material gefertigt. Es ist aus dem Kunststoff Polypropylen hergestellt und wesentlich leichter und flexibler als bisherige Koffer, aber dennoch sehr strapazierfähig. In einem Werbespot brüstet sich Samsonite damit, dass ein Koffer, der zwischen den Stoßstangen zweier Autos eingeklemmt ist, dem Druck standhält.

„Die Marke ist erfolgreich in den Ländern, in denen das Reisen gerade modern wird, vor allem in Asien, wo der Schalenkoffer als Statussymbol gilt“, so Mode- und Luxusexperte Franz M. Schmid-Preissler. Ansonsten hafte Schalenkoffern heute ein leicht angestaubtes Image an.

In den übrigen klassischen Reiseländern gewinnen Koffer aus weichem, stoffähnlichem Material Marktanteile. Darauf musste sich auch Samsonite einstellen. Solches Reisegepäck gehört deshalb zur Kollektion, die Samsonite unter ihrer Topmarke oder auch preiswerteren Marken wie American Tourist verkauft. Außerdem verdrängen Farben das klassische Schwarz beim Reisegepäck - Trends, auf die Parker schnell reagieren muss.

Denn die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hatte den Konzern arg gebeutelt. So brach der Umsatz im Folgejahr in den USA um fast 20 Prozent und in Europa um 25 Prozent ein. „Wir haben deshalb unsere Produktionskosten reduziert“, sagt Parker. Heute fertigt er nur rund ein Fünftel der Koffer in eigenen Fabriken, in Europa zum Beispiel in Belgien und Ungarn.

Auch die Vertriebsstrategie hat Parker komplett geändert. Er schloss die eigenen Markenläden an teuren Standorten wie der Madison Avenue in New York oder der Regent Street in London. Stattdessen eröffnet er Läden nur noch "in guten Factory Outlets". In den USA betreibt Samsonite dort 150 und in Europa 60 Läden. Aber mehr als zwei Drittel des Umsatzes erzielt er immer noch über den sonstigen Einzelhandel. Das Onlinegeschäft ist mit fünf Prozent Anteil noch schwach. „Ich gehe davon aus, dass wir diesen Umsatz in diesem Jahr noch einmal verdoppeln werden“, gibt sich Parker optimistisch.

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