Orgelmanufaktur Klais
Ein Klang geht um die Welt

Die Orgelmanufaktur Klais aus Bonn baut einige der besten Orgeln der Welt. Die Branche schrumpft, doch Klais ist immer ausgebucht – weil der Mittelständler vieles anders macht als die Konkurrenz.
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BerlinFast wäre man an der Backsteinfassade in der Bonner Nordstadt vorbeigelaufen. Doch wer die Tür öffnet, tritt in ein besonderes Reich ein. Es ist die Werkstatt einer Orgelbauer-Familie, deren Instrumente seit vier Generationen auf der ganzen Welt bewundert werden.

Sie stehen im Kölner Dom, in den Petronas-Türmen in Kuala Lumpur und der Kathedrale in Buenes Aires. Hier, im tiefen Westen der Republik, residiert ein echter Hidden Champion: Abseits vom Rampenlicht stellt die Orgelmanufaktur Klais die renommiertesten Orgeln der Welt her.

Das Erfolgsrezept des Klais-Klang: Es gibt ihn nicht. Der Inhaber Philipp Klais legt großen Wert darauf, keine Handschrift zu haben. Jede Orgel soll einzigartig sein. Keine der anderen gleichen. Kein Klang dem anderen ähneln. Eine Orgel soll nicht nur ein mechanisches Instrument sein, sondern vor allem Charakter haben.

Wenn er über seine Orgeln spricht, könnte man fast meinen, er spreche über Kinder. Da gibt es die Diva, die Extrovertierte und die Schüchterne. Welche Orgel wo steht, sagt er nicht. „Das muss jeder selbst herausfinden“, sagt Klais und lacht. Auch die Frage nach seiner Lieblingsorgel möchte er nicht beantworten. „Das ist so, als ob Sie einen Vater fragen würden, welches Lieblingskind er hat.“

Während andere Orgelbauer sich oft an den Orgeln aus dem 18. Jahrhundert orientieren – diese Instrumente gelten in vielen europäische Ländern als Höhepunkt der Orgelkunst – hat Philipp Klais seine Aufgabe stets anders verstanden. Nicht das Alte nachbauen, sondern das Neue schaffen. Nicht das Gute imitieren, sondern das Instrument an jedem Ort neu denken, so dass etwas noch Besseres entstehen kann. Schon der Großvater des heutigen Firmenchefs legte Wert auf neue Ansätze, war etwa mit den großen Bauhaus-Architekten befreundet und sorgte so für eine moderne Optik seiner Orgeln.

Wenn Inhaber Philipp Klais heute eine Orgel konzipiert, geht es nicht nur um den Raum und die vorhandene Akustik, sondern um viel mehr: Er analysiert die Sprache des Landes, setzt sich mit der lokalen Musik auseinander, studiert traditionelle Holztechniken. So kommt es, dass eine Orgel in Frankreich anders klingt als eine chinesische. In Japan befasste er sich ausführlich mit der Holztechnik, die man vor über tausend Jahren beim Palastbau anwendete. Kurzerhand entschied er sich, diese Technik in seine eigene zu integrieren.

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Klais wollte alles – nur nicht Orgelbauer

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