Peter Bartels im Interview
„Mit Enkeln über die Grenzen“

In vielen Unternehmen, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden, übernehmen gerade die Enkel das Ruder. Doch dem Nachwuchs schlägt oftmals Misstrauen entgegen. Völlig zu Unrecht, findet der PwC-Vorstand.
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Die Berater von PwC und des Wittener Instituts für Familienunternehmen haben jüngst in einer gemeinsamen Studie ermittelt, nach welchen Mustern mittelständische Firmen wachsen und international expandieren. Peter Bartels (48), PwC-Vorstand und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand, bewertet die Resultate.

Herr Bartels, bisher hieß es: Die erste Unternehmergeneration gründet die Firma, die zweite baut sie aus, die dritte wirtschaftet sie runter. Wie viel Wahrheit steckt in diesem bösen Bonmot?

Unsere Ergebnisse deuten in die komplett entgegengesetzte Richtung. Das hat uns selbst überrascht.

Inwiefern?

Wir hatten anfangs auch die Vermutung, dass es in der dritten Unternehmergeneration häufiger zu Problemen im familiengeführten Mittelstand kommen würde. Nicht, weil junge Firmenlenker schlechtere Manager wären. Sondern, weil in der dritten Generation eines Familienunternehmens meist sehr viel mehr Menschen mitreden. Oft existieren gar verschiedene Familienstämme, mit ganz unterschiedlichen und zum Teil auch gegenläufigen Interessen. In der Praxis, das zeigt unsere Studie, führt das aber nur in Ausnahmefällen zu echten Problemen.

In vielen Unternehmen, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden, übernehmen gerade die Enkel das Ruder. Was machen sie anders und besser als ihre Eltern oder Großeltern?

Die jungen Macher sind nicht nur internationaler ausgebildet als ihre Eltern oder Großeltern. Sie stehen der Globalisierung auch viel offener und positiver gegenüber. Im Idealfall bringen die Enkel so neue Ideen, andere Perspektiven und zusätzliche Kompetenzen wie Auslandserfahrungen ein, die Internationalisierungsprozesse begünstigen.

Können Sie diese Aussage auch mit harten Zahlen untermauern?
47 Prozent der für die Untersuchung befragten rund 460 Familienunternehmen wagten erst unter der Führung der Enkel den Schritt über die Landesgrenzen.

Hat sich das ausgezahlt?
Eindeutig ja. Knapp jedes dritte befragte Unternehmen erzielte 2012 mehr als 60 Prozent der Erlöse im Ausland. Ein Jahr zuvor war das erst bei jeder vierten Firma der Fall gewesen. Besonders der Gang ins Ausland macht sich bezahlt: Zwischen 2008 und 2013, also parallel zur verstärkten Auslandsexpansion, haben drei von vier interviewten Familienunternehmen ihren Umsatz erheblich gesteigert.

Wer also heute als Mittelständler noch nicht im Ausland tätig ist, sollte sich sputen, um nicht den Anschluss an den Weltmarkt zu verlieren?
Ich kann nur jeden Familienunternehmer ermutigen, auch das Ausland zu erschließen. Gerade wenn Unternehmen Technologieprodukte anbieten, müssen sie das heute weltweit tun. Es gibt gleichwohl eine Vielzahl von mehrheitlich inlandsorientierten Mittelständlern, die erst komplett den deutschen Markt beackern sollten - und anschließend das auch kulturell nahe gelegene Ausland mit Frankreich, Italien oder den Niederlanden. Das sind die klassischen Erstländer beim Gang ins Ausland.

Also lieber erst die Investition an der Seine als am Perlenfluss?
Im Zweifel ja. Von null auf hundert - also gleich aus Deutschland hinaus nach China, Indien oder Brasilien - könnte außer für schnell wachsende High-Tech-Firmen ein zu weiter Sprung sein. Das würden sicherlich auch die Unternehmensgründer nicht gut finden. Von deren Pragmatismus und mitunter auch Bauernschläue können sich ihre Enkel, die zwar sehr zielorientiert, aber oftmals auch recht konform an privaten Elitehochschulen ausgebildet werden, nach meiner Beobachtung mitunter noch eine Scheibe abschneiden.

Herr Bartels, wir danken Ihnen für das Gespräch

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