Raufaser-Erfinder Erfurt
„Weitere Baumarkt-Pleiten werden folgen“

Die Praktiker-Pleite macht dem Familienunternehmen Erfurt zu schaffen. Die beiden Cousins an der Spitze des Raufaserherstellers fürchten den Preisdruck der Baumärkte. Doch nicht nur dort lauern Probleme.
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WuppertalMartin Erfurt ist ein redseliger Mensch. Nur, wenn es um Unternehmenszahlen geht, wird der Geschäftsführer des Raufaserherstellers Erfurt still. Denn Umsatz und Gewinn sind Daten, die er und sein Geschäftspartner Henrik Erfurt nicht herausgeben.

Die Erklärung dafür ist einfach: Die Cousins, die die Geschicke des Familienunternehmens leiten, fürchten den Druck der großen Baumarktketten. Durch die Pleite von Praktiker hat sich die Situation auf dem Markt noch einmal zugespitzt. Viele der ehemaligen Baumärkte sind verschwunden und damit auch viele Kunden des Familienunternehmens. Die beiden Cousins sehen die Gefahr eines Preisdiktats in ihrer Branche.

Schon jetzt seien die Verhandlungen „hart und vielfach keine Freude“, sagt Martin Erfurt im Interview mit dem Handelsblatt. Wenn die Baumärkte nun die Zahlen des Familienunternehmens herausfinden, drohen noch härtere Preiskämpfe. „Praktiker war ein großer Kunde für uns“, erklärt der 54-Jährige. Die Praktiker-Pleite habe eine entsprechende Absatz-Delle im zweiten Halbjahr hinterlassen.

Die beiden Geschäftsführer befürchten, dass die Pleite von Praktiker erst der Anfang war. Im europäischen Vergleich gibt es in Deutschland sehr viele Baumärkte, der Markt gilt als übersättigt. Martin Erfurt geht davon aus, dass „die Konsolidierung im Baumarktbereich noch nicht abgeschlossen“ ist. Er schließt nicht aus, „dass es zu weiteren Betriebsschließungen kommt“. Für die Industrie sei dies „sehr kritisch“, erklärt Henrik Erfurt.

Die Branche floriert derzeit ohnehin nicht – zumindest nicht in Europa. Besonders der Tapeten- und Raufasermarkt in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Auch für das Familienunternehmen Erfurt, das als Marktführer in Deutschland gilt. Deshalb suchen sich die Erfinder der Raufaser neue Märkte – derzeit in Russland. Neben China ist das Land einer der wichtigsten Wachstumsmärkte in der Branche.

Doch in Russland schießt die Politik dazwischen. Zwar ist Russland derzeit lediglich der fünftgrößte Markt für das Unternehmen aus Wuppertal, trotzdem macht sich die Krim-Krise auch bei Erfurt bemerkbar. Der Wechselkurs des Rubels entwickle sich „nicht eben positiv für uns“, sagt Henrik Erfurt. Durch die Talfahrt der russischen Währung werden die Produkte des deutschen Mittelständlers deutlich teurer für den russischen Kunden. Das Unternehmen setzt trotzdem weiter auf den russischen Markt und hat dort erst vor kurzem eine Werbekampagne gestartet.

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Erfurt soll in der Familie bleiben

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  • Hoffentlich als nächstes der Hornbach, die haben Spaß daran jeden Gang zu verstellen, so das man mit dem scheiß ungelenkigen Wagen rum gurken muß. Unübersichtlich und assig sah der in in Hannover Ost auch aus... Furchtbarer Laden!

  • Der Tapenverkauf ist rückläufig? Ja, wen wundert das denn? Wer kann es sich denn leisten mal eben 15 Euro für eine Rolle Tapete auszugeben?

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