Hilfe bei der Krisenbewältigung
Die rettende Hand in der Turbulenz

Viele mittelständische Unternehmen verschließen vor ihrer Krise zu lange die Augen. Manchmal ist dann die Insolvenz die einzige Rettung. Dass es gar nicht so weit kommt ist das Ziel von auf die Beratung mittelständischer Unternehmen in der Krise spezialisierten Unternehmensberatungen.

DÜSSELDORF. Es ist Ulrich Rehrmann nicht leicht gefallen, um Hilfe zu bitten, obwohl sein Unternehmen in der Krise steckte. Den entscheidenden Anstoß erhielt der Inhaber der Rehrmann & Plitt GmbH & Co KG in Gelsenkirchen schließlich vom Geschäftsführer des Verbandes Druck und Medien Westfalen-Lippe: Er vermittelte den Kontakt zur Düsseldorfer MBB Consult GmbH, die auf die Beratung mittelständischer Unternehmen in der Krise spezialisiert ist. „Damit waren wir ziemlich sicher, kompetente Partner zu haben“, berichtet Rehrmann. Aus der Krise hat er eins gelernt: „Ich kann nur jedem empfehlen, sich frühzeitig eine Unternehmensberatung wie MBB zu holen.“

Dass Unternehmer die Augen vor den Anzeichen der Krise lange Zeit verschließen, ist nur menschlich. „Für den Unternehmer ist die Insolvenz die Dokumentation seines Versagens“, weiß Robert Buchalik, Geschäftsführer der MBB aus der Krisenberatung. Im Fall eines Textilherstellers benötigte er vier Wochen, um ihn zu überzeugen, dass die Insolvenz der richtige Weg zur Krisenbewältigung sei.

Auch bei Rehrmann blieb nur die Insolvenz. „Wenn Sie über viele Wochen sehen, wie Sie mit dem Unternehmen immer mehr Verluste einfahren und auf Grund unserer Gesetzeslage (Kündigungsschutz, Sozialauswahl, Betriebsverfassung, Abfindungsregelung) keine bezahlbare Möglichkeit mehr finden, vor allem die Personalkosten zu senken, um auf die Marktentwicklung zu reagieren, ist der Insolvenzantrag wie eine Befreiung“, berichtet Rehrmann, der danach nur noch erleichtert war: „Gott sei Dank, jetzt werden diese Verluste erst einmal angehalten und die Talfahrt gestoppt.“

Rehrmann & Plitt, Mediendienstleister mit Schwerpunkt Druck, war durch den gnadenlosen Verdrängungswettbewerb bei stetigem Preisverfall in der Medienbranche unter Druck geraten. Mit innovativen Produktionsmethoden, dem Zusammenschluss mit einem Unternehmen aus Oberhausen und der Übernahme einer Firma in Gelsenkirchen suchte Rehrmann vergeblich Synergie- und Rationalisierungeffekte zu erzielen, um die sinkenden Preise aufzufangen. Als einer seiner großen Kunden in Insolvenz ging und ein weiterer wegfiel, verlor er ein Drittel seines Umsatzes von knapp 10 Mill. Euro – zu viel für einen Mittelständler.

Da Rehrmann in der Boomphase stark in die Zukunft investiert hatte, blieb kein Geld für die klassische Sanierung via Abfindungen. „Um das Personalproblem zu lösen, war die Insolvenz unerlässlich“, urteilt Buchalik. Dadurch könne Personal leichter abgebaut werden, Altlasten könnten bereinigt und Verträge aufgelöst werden. Besser wäre es jedoch, wenn der Gesetzgeber die Voraussetzung schaffen würde, damit Personal auch ohne Insolvenz leichter abgebaut werden könnte.

In der Insolvenz habe sich das Unternehmen stabilisiert, berichtet Rehrmann, der ein ausgeglichenes Ergebnis am Jahresende für erreichbar hält. Der Mediendienstleister wird im Rahmen einer Plansanierung als Ganzes gerettet. Den Plan erstellt MBB im Auftrag des Insolvenzverwalters. Schon im Vorfeld, so betont Buchalik, sei es wichtig, dafür zu sorgen, dass das Gericht einen Insolvenzverwalter einsetzt, der für die Plansanierung offen ist.

Die Idee, gerade krisengeschüttelten Mittelständlern zu helfen, kam Buchalik in den 15 Jahren bei der Deutschen Bank in München. Hier hatte er eine Betreuung für Unternehmen in der Krise aufgebaut. „Ich wollte eine Beratung anbieten, die außerhalb der Insolvenz arbeitet, jedoch unter Nutzung des Insolvenz-Know-hows“, erklärt er. Seine Unternehmensberatung sollte sich an der Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft und Recht bewegen – die rund 50-köpfige Mannschaft ist entsprechend paritätisch mit Betriebswirten und Juristen besetzt. Denn oft kommen die Unternehmer so spät, dass der Gang zum Insolvenzgericht unvermeidlich ist und die Betroffenen auch juristischen Beistand benötigen.

Seine Idee unerbreitete Buchalik den Düsseldorfer Insolvenzverwaltern F. W. Metzeler und Wolfgang van Betteray. „Ich bin als Gründer der Gesellschaft aufgetreten“, berichtet er. „Das war Ende 1997.“ Er wurde Partner der Kanzlei und gründete mit den beiden Verwaltern unter dem Namen MBB die Unternehmensberatung. Die Initialen stehen für „Metzeler, Betteray, Buchalik“.

Dass Buchalik Anfang 2003 aus der Kanzlei austrat und die Unternehmensberatung sich von der Sozietät löste, hat einen einfachen Grund. Durch die wirtschaftliche Verflechtung konnte Buchalik die Kanzlei Metzeler, van Betteray bei Unternehmen, die von MBB Consult beraten worden waren, nicht als Insolvenzverwalter empfehlen.

Zum schlimmsten Fall kommt es bei MBB jedoch meistens nicht. „80 % der Fälle gehen nicht in die Insolvenz“, berichtet Buchalik. Steckt ein Unternehmen in der Liquiditätskrise, dann gibt es zwei Wege: das Unternehmen „vor“ der Insolvenz zu retten oder „in“ der Insolvenz. „Was können wie in dieser Situation tun?“ stellt Buchalik die entscheidende Frage. Die Antwort: „Ich zeige den Banken auf, was passiert, wenn das Unternehmen in Insolvenz geht. Dann biete ich ihnen eine Alternative an, und sage ihnen, ich saniere das Unternehmen im Vorfeld. Damit bekomme ich häufig die wichtigsten Gläubiger ins Boot“, sagt der Krisenberater und stellt eins fest: „Die Insolvenz ist ein hervorragendes Instrument der Sanierung, aber sie ist auch mit erheblichen Risiken behaftet.“

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