Hilfe von Kreditinstituten
Schreckgespenst Privatisierung als beste Lösung

Es war ein Schock für die Bürger des niedersächsischen Hildesheim, als vor gut zwei Jahren die Finanzsituation des städtischen Krankenhauses bekannt wurde. Die Einrichtung hatte seit über drei Jahren keine operativen Gewinne mehr erwirtschaftet, das Defizit war erheblich und nicht mehr aus eigener Kraft zu bewältigen. Noch größer wurde der Schreck bei Mitarbeitern, Patienten und Bürgern, als die Stadt beschloss, die Klinik an einen privaten Partner zu verkaufen. "Übereilter Beschluss", warfen erboste Bürger dem Rat der Stadt vor und sammelten Unterschriften gegen die Entscheidung.

HB DÜSSELDORF. "Ein Krankenhaus ist ein sensibles Thema", weiß Konrad Deufel, Oberstadtdirektor der Stadt Hildesheim. Auf irgendeine Weise komme jeder einmal damit in Berührung. Trotzdem widerspricht er den Vorwürfen nachträglich: "Das Ganze war wohlüberlegt. Wir hätten mit dem katholischen Krankenhaus kooperieren können, aber dann hätte Hildesheim jetzt nur noch ein Krankenhaus." Hildesheim hat zwei große Hospitäler. Als Alternative zum Katholischen Krankenhaus bot sich den Bürgern seit jeher das städtische Krankenhaus, dessen Ruf mit über 600 Betten, mehr als 1.300 Mitarbeitern und den medizinischen Schwerpunkten Chirurgie, Gastroenterologie und Kardiologie über die Stadtgrenzen hinaus reicht. Man habe in jedem Falle die Wahlmöglichkeiten erhalten wollen, so Deufel.

Um alle Interessen zu wahren, gründete er eine Lenkungsgruppe, in der Mitglieder aus Politik, Aufsichtsrat, Betriebsrat und Ärzteschaft gemeinsam die Rahmenbedingungen einer Privatisierung entscheiden sollten. Jedoch: "Wir hatten alle keine unmittelbare Erfahrung mit dem Thema", so der Oberstadtdirektor.

Hilfe von der WestLB

Deshalb schrieb die Stadt Hildesheim einen Beratungsauftrag aus. Viele Firmen und Banken bewarben sich, eine setzte sich durch. "Die WestLB hat Erfahrung im Gesundheitssektor und versteht die Sprache einer kommunalen Demokratie, deren Prozesse langwieriger sind als die eines Unternehmens", begründet Deufel die Wahl des nordrhein-westfälischen Instituts.

Gerade in Transaktionsprozessen hat die Hilfe einer Bank Vorteile gegenüber der eines Beratungsunternehmens. "Finanzgeschäfte sind unser Alltag", sagt Peter Pommerenke von der WestLB, der die Stadt Hildesheim bei der Krankenhaustransaktion vor einem Jahr unterstützte. "Wir haben bereits mehrfach Städte bei Privatisierungen beraten, kennen die Investorenlandschaft und die Märkte, auf denen agiert wird. So können wir potenzielle Käufer einschätzen und wissen, welche Strategie zum Erfolg führt." Von der Käufersuche bis zur notariellen Beurkundung des Kaufvertrags begleitet die Bank in der Regel ein solches Projekt. Selten kann eine Stadt die nötigen Fachleute aus den eigenen Reihen rekrutieren, da sie eine derartige Transaktion üblicherweise nur einmal macht. Eine privatisierungserfahrene Bank jedoch verfügt über die richtigen Experten und kann so immer der Situation entsprechend reagieren.

Um einen geeigneten Käufer zu finden, haben die Berater der WestLB zunächst die Marktsituation analysiert und dann in Abstimmung mit den beteiligten Parteien eine Ausschreibung entworfen. Nach ausführlicher Überprüfung reduzierte die WestLB die Bewerbergruppe erst auf fünf und schließlich auf zwei potenzielle Anwärter - immer die Zielvorgaben der Lenkungsgruppe im Blick. "Nur wer garantieren konnte, Arbeitsplätze zu sichern, die Stadt vollständig zu entlasten und in Zukunft wichtige Investitionen zu tätigen, hatte eine Chance", sagt Pommerenke.

Parallel zum Verfahren pflegten die Berater der Bank vor allem den Dialog mit dem Betriebsrat, in dem auch Mitglieder der Bürgerinitiative saßen. "Transparenz war wichtig, um Ängste zu zerstreuen", betont er. Gleichzeitig hielt man die Auswahl weitgehend anonym, stellte so den Wettbewerb sicher und vermied beeinflussende Vorurteile. Die letzten beiden Bewerber präsentierten ihre Konzepte jeweils vor der Lenkungsgruppe sowie anschließend vor den gesamten Ratsmitgliedern.

Gutes Ergebnis

Die tagelangen Vertragsverhandlungen hätten er und seine Mitstreiter ohne beratende Begleitung nicht meistern können, sagt Deufel. Schließlich seien die Ansprüche der Stadt an den möglichen Käufer hoch gewesen, um sowohl die Größe, die Reichweite und auch das Angebot des Hauses zu erhalten. "Wir werden kämpfen müssen", hatte die WestLB bereits im Vorfeld des Transaktionsprozesses angekündigt, schaffte es aber tatsächlich bei der Rhön-Klinikum AG die wichtigsten Forderungen der Stadt durchsetzen. Bei einer Abweichung von den vertraglich vereinbarten Zielen und Bedingungen müssten die neuen Besitzer Strafen zahlen. Somit ließen sich vorab die Qualität der medizinischen Versorgung sowie der Großteil der Arbeitsplätze sichern.

Ein Dreivierteljahr hat es gedauert, bis die Stadt Hildesheim im Juli vergangenen Jahres ihr Sorgenkind in private Hände geben konnte. Ein Prozess, der zwar mit einem Schock begann, jedoch nicht zum Schrecken ohne Ende mutierte. "Eine anstrengende Zeit", sagt Deufel rückblickend, ist aber immer noch zufrieden: "Die Rhön-Klinikum AG führt das Klinikum Hildesheim in unserem Sinne weiter." Die Bettenzahl sowie die Zahl der Mitarbeiter sei in etwa gleich geblieben: "Die hundertprozentige Privatisierung war eine schwierige, aber die einzig richtige Entscheidung für Hildesheim."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%