Hlfe durch Private-Equity
Expansion durch Zukauf kostet Zeit

Ende Dezember des vergangenen Jahres realisierte der schwäbische Kunststoffverarbeiter Etimex mit Hilfe seines Mehrheitsgesellschafters einen ersten großen Unternehmenszukauf: Er übernahm den Bereich Ansaugsysteme von der Vibracoustic GmbH, einem Unternehmen der Freudenberg-Gruppe.

MÜNCHEN. Mit diesem Zukauf avanciert Etimex zum europäischen Marktführer im Bereich Ansaugsysteme und Gummiformteile für die Automobilindustrie. Dem erfolgreichen Vertragsabschluss waren nicht nur zahlreiche Vorgespräche, eine eingehende Unternehmensprüfung, die so genannte Due Diligence und umfassende Vertragsverhandlungen vorangegangen. Es dauerte auch geraume Zeit, bis mit der Vibracoustic-Tochter ein passendes Objekt für einen Zukauf identifiziert war.

Zwar agiert Etimex in einem weitgehend zersplitterten Markt, was theoretisch eine ideale Ausgangslage für Zukäufe ist. Doch gerade die interessantesten Übernahmekandidaten stehen nicht zum Verkauf. Die weniger interessanten Kandidaten haben jedoch nicht selten überzogene Preisvorstellungen. Oft stellt man bei näherer Betrachtung auch fest, dass es zu große Produktüberschneidungen bei beiden Unternehmen gibt oder das Objekt der Begierde keineswegs so profitabel ist, wie dies auf den ersten Blick angenommen wurde.

Und in manchen Fällen raten auch schlicht die langjährige Erfahrung und das unternehmerische Bauchgefühl dazu, von einem Deal Abstand zu nehmen. Bekanntlich ist nichts riskanter als Zukäufe um jeden Preis.

In jeden Fall gilt: Expansion durch Zukauf kostet Zeit. Und genau daran mangelt es oftmals dem Management erfolgreicher Mittelständler, denn ihr unternehmerischer Erfolg kommt ja nicht von ungefähr. Im Unterschied zu Großkonzernen verfügen sie allerdings nicht über strategische Stäbe, die einen Zukauf vorbereiten könnten. Und es kann verheerende Auswirkungen haben, wenn sich das Top-Management eines Mittelständlers über Monate vom operativen Geschäft verabschiedet, weil es auf der Suche nach Übernahmekandidaten ist.

Eben hier können Finanzinvestoren ihre Stärken einbringen und einen substanziellen Beitrag leisten - jenseits aller Unterstützung mit Eigenkapital. Denn Übernahmen sind eine Kernkompetenz von Private Equity. Naturgemäß verstehen sich Finanzinvestoren auf Marktanalysen ebenso wie auf Due-Dilligence-Prüfungen und die Verhandlung von Verkaufsverträgen. Zudem haben sie über ihr Netzwerk zu M&A-Beratern und Kanzleien stets ein Ohr am Markt für Unternehmenskäufe und Verkäufe.

Im Fall von Etimex hatte ein Beraterteam im Vorfeld rund 50 potenzielle Übernahmekandidaten analysiert. Anschließend wurden - nach Abstimmung mit dem Etimex-Management - über 30 potenziell attraktive Kandidaten der "short list" angeschrieben und zahlreiche Erstgespräche organisiert, an denen dann auch Michael Joy, Geschäftsführer von Etimex, teilnahm. Vielfach blieb es bei einem einzigen Gespräch, in gut zehn Fällen gab es eingehendere Kontakte und detaillierte Untersuchungen - bis hin zu Besuchen in Fertigungsstätten des jeweiligen Übernahmekandidaten. Der Etimex-Geschäftsführer war stets involviert, freilich ohne sich mit allen Details befassen zu müssen, wofür Joy durchaus dankbar war. "Allein hätten wir diesen Aufwand kaum stemmen können", hat er mehrfach betont.

Nachdem man sich schließlich gemeinsam für die Übernahme der Vibracoustic-Tochter entschieden und die Grundzüge des Kaufvertrags diskutiert hatte, konnte sich das Management von Etimex erneut seinem Tagesgeschäft widmen. Die Verhandlung der Vertragsdetails hat es dabei seinem Investor überlassen.

Peter Hammermann ist Geschäftsführer Deutschland sowie Co-Head Europe von Barclays Private Equity.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%