Höhepunkt überschritten
Mittelstand hat wenig Lust auf Facebook

Für viele Unternehmen ist die Nutzung sozialer Netzwerke nur Kür, nicht etwa Pflicht. Sie sehen den Höhepunkt des Hypes um Facebook und Co bereits überschritten. Und oft fehlt für das Engagement auch die Zeit.
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Düsseldorf.Den Mittelstand lassen soziale Netzwerke wie Facebook bislang weitgehend kalt. Weniger als ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland sind überhaupt in einem sozialen Netzwerk registriert. Das geht aus einer Untersuchung zum Werbeverhalten des Mittelstandes im Auftrag des Auskunftsdienstes Telegate hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Nur 28 Prozent aller Befragten betrachten die soziale Netzwerke als wichtig für das eigene Geschäft.

„Der Hype um Facebook hat seinen Höhepunkt überschritten“, sagte Telegate-Vorstandschef Andreas Albath, dem Handelsblatt. „Für kleine und mittlere Unternehmen spielen soziale Medien nach wie vor nur eine bescheidene Nebenrolle.“ Facebook sei für den Mittelstand nur die Kür und keine Pflicht. Es werde zwar erstmals als Werbemittel wahr genommen. Eine große Rolle spiele es aber nicht.

Bei der Untersuchung der Nürnberger Markforschungsfirma Psyma wurden mehrere hundert kleine und mittlere Unternehmen von Branchen wie Handwerk, Medizin, Finanzdienstleister und Gastronomie im August und September nach ihrem Werbeverhalten befragt. Facebook wollte gestern auf Anfrage die Studie nicht kommentieren.

Die Gründe für die Abstinenz bei den sozialen Netzwerken sind vielfältig. „Dem Mittelstand fehlt vor allem die Zeit, sich stark bei den sozialen Medien zu engagieren. Auch der Nutzen eines Engagements ist vielen nicht klar“, erklärt Albath. Aber auch bei den Konzernen mache sich Realismus breit: „Viele große Unternehmen und Marken stellen heute ernüchternd fest, dass die Aktivitäten der Nutzer auf Facebook nicht ihre Erwartungen erfüllen, da es diesen vor allem um Rabatte und Vorteile geht, aber oft eben nicht um den Dialog mit der Marke.“

Trotz der ablehnenden Haltung schreitet der Einsatz digitaler Werbemittel voran. Erstmals lösen Online-Verzeichnisse das gedruckte Branchenbuch als meistgenutztes Werbemittel ab. An dritter Stelle stehen regionale Tageszeitungen, an vierter Anzeigenblätter. Kleines Trostpflaster für die sozialen Medien: Facebook als Reklame-Plattform taucht jetzt als Werbemittel in der Studie auf, bei einer ersten Untersuchung im vergangenen Jahr war das noch nicht der Fall.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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