„Höhle der Löwen“-Juror Ralf Dümmel

„Ich bereue keinen einzigen Deal“

Der Neuling in der Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“ hat alle Rekorde gebrochen. Kein Investor hat jemals so viele Deals gemacht wie der Chef von DS Produkte. Im Interview verrät „Mister Regal“ sein Erfolgsgeheimnis.
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Ralf Dümmel, Co-Chef und Mitgesellschafter von DS Produkte, hat ein Gespür für Verkaufsschlager. Quelle: Rieka Anscheit DS Produkte
König der Löwen

Ralf Dümmel, Co-Chef und Mitgesellschafter von DS Produkte, hat ein Gespür für Verkaufsschlager.

(Foto: Rieka Anscheit DS Produkte)

HamburgDer goldene Käfiggang führt in einen fensterlosen, abgedunkelten Raum. Ganz vorne steht ein Drehsessel, dahinter die lebensgroßen Fotos der Juroren aus der „Höhle der Löwen“. Links und rechts deckenhohe Regale randvoll mit Produkten: Schminklampen, Kopfhörermützen, Bügelhilfen, Gemüse-Chips. An all diesen Start-ups hat sich Ralf Dümmel mit seiner Firma DS Produkte beteiligt. Im Hamburger Showroom hat er das Szenario der Vox-Show nachbauen lassen. Schließlich ist Dümmel der ungekrönte „König der Löwen“. Sage und schreibe 23 von 76 Start-ups, die pitchen durften, hat er einen Deal angeboten. Die dritte Staffel der „Höhle der Löwen“, die am Dienstag Abend zu Ende ging, hat auch sonst alle Rekorde gebrochen. Bis zu 3,4 Millionen Zuschauer waren pro Folge dabei, das Echo in den sozialen Medien war groß. „Es dümmelt wieder“, hieß es bei Twitter, wenn der 49-Jährige Hamburger bei einem Start-up zugeschlagen hatte.

Herr Dümmel, von allen fünf Löwen haben Sie mit Abstand die meisten Deals gemacht. Haben Sie sich als Neu-Löwe in der Start-up-Show womöglich von naiver Begeisterung leiten lassen?
Definitiv nicht. Für mich ist die Sache ja nicht neu, bis auf die Fernsehkameras. Ich habe 28 Jahre Erfahrung und Millionen Pitches hinter mir. Unser Unternehmen DS Produkte hat in 40 Jahren rund 100.000 Produkte auf den Markt gebracht. Jedes Jahr sind es 300 neue. Abzuschätzen, ob Innovatives für den Massenmarkt taugt, das ist mein täglich Brot.

Welche Summe haben Sie als Löwe investiert?
Insgesamt knapp 3,1 Millionen Euro habe ich in die Geschäftsideen gesteckt. Das ist meines Wissens die höchste Summe, die jemals ein Investor in „Der Höhle der Löwe“ investiert hat. Von den 23 Deals, die ich als Löwe gemacht habe, bereue ich keinen einzigen.

Das wurde aus den Deals der Start-up-Show
Die Höhle der Löwen Jury
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Die Jury der zweiten Staffel (von links): Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer. Vor der Kamera schlossen sie 35 Deals. Doch nur die wenigsten kamen auch zu Stande.

Little Lunch
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Die erfolgreichsten Gründer der zweiten Staffel: Die Brüder Denis und Daniel Gibisch konnten mit ihren Bio-Suppen gleich drei der fünf Juroren überzeugen: Peter Thelen, Vural Öger und Judith Williams investierten insgesamt 100.000 Euro und bekamen im Gegenzug 30 Prozent der Anteile von Little Lunch. Mittlerweile ist nur noch Thelen investiert – aber das Unternehmen wächst rasant. Das Sortiment wurde erweitert, 18 Mitarbeiter kamen dazu, ihre Suppen sind auch in Großbritannien und China erhältlich. Die Gibisch-Brüder treiben die Expansion weiter voran und wollen im laufenden Jahr 20 Millionen Umsatz machen.

Von Floerke
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Firmengründer David Schirrmachers Pitch war so überzeugend, dass selbst „Krawattenallergiker“ Frank Thelen einsteigen wollte: Am Ende machten Vural Öger, Judith Williams und Frank Thelen gemeinsame Sache und boten 100.000 Euro für 33 Prozent des Herrenaccessoire-Start-ups. Mittlerweile finden sich die Krawatten und Fliegen der Firma bei etablierten Warenhäusern und Modeketten wie Sinn Leffers. Von Floerke soll 2016 etwa 4 Millionen Euro Umsatz machen, die Kollektionen sollen um Schuhe, Hosen und Hemden erweitert werden. Mittlerweile sind auch andere Investoren wie der Gründer und Chef von My Taxi, Nic Mewes, Anteile gezeichnet hat.

Heimatgut
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Doch längst nicht in allen Fällen, in denen vor der Kamera ein Deal geschlossen wurde, floss tatsächlich Geld. Wie das Portal Gründerszene.de recherchierte, platzten von 35 zugesagten Deals im Nachhinein 26. So sagte Juror Jochen Schweizer 125.000 Euro für 15 Prozent von Heimatgut zu, die vegane und glutenfreie Chips aus Wirsing herstellen. Doch die Unterlagen, die die Gründer im Nachhinein einreichten, überzeugten dann doch nicht, sagte der Eventmanager dem Portal. Für Heimatgut hat sich der Pitch vor Millionenpublikum trotzdem gelohnt: Ihre Internetseite war während der Ausstrahlung der Sendung nicht zu erreichen. Mittlerweile haben die Gründer Maurice Fischer und Aryan Moghaddam ihr Sortiment deutlich erweitert.

Koawach
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Auch beim Startup Koawach versprach Juror Jochen Schweizer zunächst viel – doch ein Deal kam schließlich nicht zu Stande. Die Gründer Heiko Butz und Daniel Duarte stellen eine mit natürlichen Koffein aus Guarana versetzte Trinkschokolade her. Schweizer wollte 120.000 Euro für einen Anteil von zehn Prozent an Koawach zahlen. Doch der Deal platzte ebenfalls. Beide Seiten hätten festgestellt, dass ein Investment nicht passend sei, sagte Co-Gründer Duarte dem Hamburger Abendblatt. Doch der Auftritt bei Vox hat sich dennoch gelohnt: Seit der Ausstrahlung der Sendung im Oktober 2015 gingen 30.000 Bestelllungen ein. Im ersten Jahr der Firmengründung waren es nur 1000 Online-Bestellungen. 2016 will das Unternehmen mehr als 4 Millionen Euro umsetzten, Expansionen in die Niederlande und Großbritannien sind laut Abendblatt geplant.

Scoo.me
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Mit der Vermietung von E-Rollern in großen deutschen Städten überzeugten die Scoo.me-Gründer Christoph Becker und Magnus Schmidt Jurorin Lencke Steiner. Sie bot für 30 Prozent der Anteile 100.000 Euro. Doch die beiden Gründer nutzten die Plattform Fernsehshow und zogen ein „attraktiveres Alternativ-Investment“ an, wie sie der Plattform Gründerszene verrieten. Business Angel Hubert Barth ist statt Steiner investiert. Neben dem Startmarkt München ist Scoo.me nun auch in Köln aktiv. Immerhin gibt es eine Kooperation mit „Löwe“ Jochen Schweizer. Auf dessen Event-Gutscheinshop ist auch ein Vespa-Trip durch München mit Scoo.me erhältlich.

Einhorn.my
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Sie fielen bei den „Löwen“ durch – doch der Auftritt bei der Startup-Show war auch für Waldemar Zeiler (links) und Philip Siefer ein voller Erfolg. Die beiden Gründer brachten die Juroren mit „Einhorn“, einem Start-up für vegane und fair produzierte Kondome, kollektiv zum Lachen. Zwar wollte keiner der Kapitalgeber investieren. Doch auch „Einhorn“ konnte sich über einen Kundenansturm nach der Ausstrahlung der Sendung freuen. Eine Rechtsstreit und die begleitende Medienberichterstattung über den Claim „Sieben Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ sorgten für zusätzliche Publicity.

Welche Geschäftsideen haben Sie denn besonders beeindruckt?
Hinter jedem Produkt stehen Erfinder. Alle Gründer habe ich auf ihre Art lieb gewonnen. Einige wie der Entwickler der Abflussfee oder die Erfinderin der Malzmarmelade Malzit haben lange Jahre für ihr Produkt gekämpft. So mancher hat Haus und Hof riskiert. Die Schwester des Pannenfächer-Gründers etwa hat ihre gesamte Rente aufs Spiel gesetzt. Da gibt es herzzerreißende Geschichten. Es macht mich besonders glücklich, wenn ich Leuten helfen kann, deren Idee – oder gar Existenz - sonst vor dem finanziellen Aus gestanden hätte.

Ein Wohltätigkeitsverein sind Sie aber nicht…
Das war kein Spendenmarathon. Ich investiere nicht aus Mitleid, sondern nur dort, wo ich mein Geld vermehren kann.

Sie sind ein knallhart rechnender Geschäftsmann, sonst wäre die Firma DS Produkte über die Jahre nicht so erfolgreich gewesen. Wie viel Profit versprechen Sie sich von den Deals?
Es ist viel zu früh, um das abzuschätzen. Aber etliche Beteiligungen haben sich schon nach wenigen Wochen für uns gelohnt. Auch unsere Attraktivität als Arbeitgeber ist stark gestiegen seit der Sendung. Vorher kannte uns ja kaum einer, obwohl jeder Haushalt etwas von DS Produkte zuhause hat.

Welche Löwen-Produkte verkaufen sich denn besonders gut?
Heute schon gelohnt haben sich der Bügelclou, die Abflussfee, die Anti-Karies-Pastillen Pentasense und das Fitness-Handtuch Towell+. Von der Abflussfee wurden in weniger als zwei Monaten schon eine halbe Million Stück für je 9,99 Euro verkauft, dazu kommen noch die Ersatzsteine.

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