Hoffen auf die Konjunkturprogramme
Deutsche Lackindustrie malt rot

Die 207 Unternehmen, die im neuen Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie organisiert sind, spüren die Wirtschaftskrise sehr unterschiedlich. Während einzelne Hersteller für Lacke der Automobil- und Maschinenbauindustrie über einen Nachfragerückgang von bis zu fünfzig Prozent klagen, profitieren andere Farbenhersteller bereits von den Konjunkturprogrammen.

FRANKFURT. So berichten derzeit beispielsweise die Hersteller von Farben für Schienenfahrzeuge von einer guten Nachfrage. Selbst die Hersteller von Druckfarben berichten von unterschiedlichen Geschäftsverläufen: im Pressebereich gibt es rückläufige Absatzzahlen, bei Verpackungsdruck sieht es noch recht gut aus. „Unsere Branche ist ungleich aufgestellt“, sagte Peter Becker, Präsident des Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL), im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Nach dem Zusammenschluss fehlen noch Vergleichszahlen für den gesamten neuen Verband. So konnte VdL-Präsident Becker nur Aussagen zum „alten“ Lack- und Farbengeschäft machen. Unter dem Strich rechnet er dabei in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang um 3,6 Prozent auf rund 3,3 Mrd. Euro. Der Absatz werde voraussichtlich um vier Prozent auf 1,5 Millionen Tonnen sinken.

Bereits das Jahr 2008 wurde mit einer negativen Bilanz beendet: Die Absatzmengen (noch ohne Druckfarben) sanken um 3,4 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen, die Umsätze lagen mit vier Milliarden Euro 1,4 Prozent niedriger als 2007. Nicht nur die eigenen Exporte – rund vierzig Prozent der Produktion geht ins Ausland –, sondern auch die abnehmenden Absatzzahlen wichtiger Kundenbranchen trugen zu dieser negativen Entwicklung bei, sagt Becker.

Was das in einzelnen Branchen bedeutet, machte er am Beispiel der Schiffsfarben deutlich. Bisher seien mehr als 30 Aufträge für große Schiffsneubauten in Deutschland storniert worden. Auch vom Rückgang in der Automobil- und Maschinenbauindustrie sind viele der vorwiegend mittelständischen Lackhersteller besonders betroffen. Die Hoffnung für die Zeit nach der Krise: Mit verbesserten Produkten wollen sich die deutschen Hersteller gegen die asiatische Konkurrenz behaupten.

So sollen neuartige Mixturen für eine geringere Umweltbelastung, kürzere Dockliegezeiten und längere Reparaturintervalle beispielsweise bei den Schiffen sorgen. Neuartige Nanofarben verhindern, dass sich Meeresorganismen am Schiffsrumpf festsetzen. Innerhalb weniger Monate können sich ohne Schutz bis zu 150 Kilogramm Meeresorganismen auf einem Quadratmeter Schiffsrumpf festsetzen, dadurch entsteht ein höherer Reibungswiderstand im Wasser, der zu einem um bis zu fünfzig Prozent höheren Treibstoffverbrauch führen kann. Nanolacke machen auch Flugzeuge leichter und leistungsfähiger, kratzfeste Farben Autos nicht so anfällig.

Nanolacke im alltäglichen Gebrauch hält Becker für unbedenklich: „Die kleinen Teilchen, die in einer ausgehärteten Lackschicht fest eingebunden sind, können durch die normalen, alltäglich vorkommenden Beanspruchungen einer lackierten Oberfläche nicht freigesetzt werden.“ Belegt wird diese Aussage mit einer Untersuchung des Instituts für Verfahrenstechnik und Umweltschutz an der Technischen Universität Dresden. Dabei wurden so wenige freigesetzte Partikel gefunden, dass sie an der Nachweisgrenze des verwendeten Messsystems von etwa drei Partikeln pro Kubikzentimeter lagen. Zum Vergleich: In einem normalen Wohnraum befinden sich etwa 5 000 Nanopartikel in jedem Kubikzentimeter Luft.

Nun setzt die Branche darauf, dass die Konjunkturprogramme auch zu einer wieder etwas höheren Nachfrage nach Lacken und Farben führen werden. „Wenn jetzt wieder mehr öffentliche Gebäude wie Schulen und Brücken gebaut und renoviert werden, dann müssen die auch gestrichen werden“, hofft VdL-Chef Becker auf ein besseres zweites Halbjahr 2009 und wieder normale Zeiten ab 2010.

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