Hoffnung auf Aufschwung, mehr nicht
Mittelstand bleibt skeptisch

Der deutsche Mittelstand sieht seine wirtschaftliche Lage angesichts fehlender Binnennachfrage weiter skeptisch. „Die Geschäftserwartungen haben sich dagegen aufgehellt, der Aufschwung bleibt aber vorerst ein Hoffnungswert“, teilten sieben Verbände aus dem Bereich Mittelstand am Dienstag in Berlin mit.

HB BERLIN. Sollte sich die Politik nicht zu durchgreifenden Standortverbesserungen durchringen, prophezeien mehrere Wirtschaftsverbände eine noch zügigere Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland.

Der Mittelstand beurteile die Geschäftslage skeptischer als noch im Sommer 2003, auch das Geschäftsklima insgesamt habe sich verschlechtert, erklärte die sieben Verbände umfassende Arbeitsgemeinschaft Mittelstand am Dienstag in Berlin. „Die Geschäftserwartungen haben sich dagegen aufgehellt, der Aufschwung bleibt aber vorerst ein Hoffnungswert.“ Grund für die Zurückhaltung seien schlechte wirtschafts- und sozialpolitische Rahmenbedingungen sowie das Fehlen der Nachfrage im Inland.

Holger Berndt, Vorstandsmitglied des Sparkassen- und Giroverbands, befürchtet 2004 einen erneuten Anstieg der Firmenpleiten, sollte das von der Bundesregierung erwartete Wirtschaftswachstum von mindestens 1,5 % nicht erreicht werden. Es bestehe die Gefahr, dass der Rekordwert des Vorjahres von fast 40 000 Unternehmensinsolvenzen übertroffen werde.

„Wir brauchen Bedingungen, die Innovation, Investition und Expansion unterstützen“, forderte Handwerks-Präsident Dieter Philipp. Nötig seien eine Reform der sozialen Sicherungssysteme, mehr Eigenverantwortung, längere Lebensarbeitszeiten, Deregulierung und ein wettbewerbsfähiges Steuersystem. Neben Sparkassen und Handwerk sind auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) sowie der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft.

Der Trend zur Verlagerung inländischer Stellen ins Ausland, wie zuletzt von Siemens angedroht, gewinnt auch im Mittelstand an Dynamik. „Im Augenblick beschleunigt es sich“, sagte Philipp. Wenn im Ausland Märkte erschlossen würden, gehe dies zumindest unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in Deutschland zu Lasten der Arbeitsplätze. Hoffnung auf eine durchgreifende Belebung der Wirtschaft im laufenden Jahr besteht den Verbänden zufolge nicht. „Nach einem enttäuschenden Start in das Jahr 2004 ist in Deutschland nicht mehr mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum zu rechnen“, erklärte BGA-Vizepräsidentin Helly Bruhn-Braas. „Deutschland steckt in der Stagnationsfalle.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%