Hürden für Kreditnehmer werden höher
Banken ziehen die Zügel an

Deutsche Banken verschärfen zunehmend die Bedingungen, zu denen Unternehmen Kredit bekommen. Die gute Nachricht ist allerdings: Unternehmen, die noch ungehinderten Zugang zu Krediten haben, erhalten ihre Mittel dank der Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) oftmals zu günstigeren Konditionen.

FRANKFURT. Wie die im Internet veröffentlichte Zinsstatistik der Bundesbank zeigt, haben die deutschen Banken bis einschließlich Dezember die Zinssenkungen durch die EZB teilweise an ihre Kreditkunden weitergegeben. Zwischen Anfang Oktober und Anfang Dezember verbilligte sich die Refinanzierung der Banken bei der EZB gemessen am offiziellen Leitzins um 1,75 Prozentpunkte.

Bankkredite an Unternehmen wurden dagegen um 1,25 Prozentpunkte für Kurzfristkredite und einen halben Prozentpunkt für langfristige Kredite billiger. Nimmt man die Kurzfristkredite zum Maßstab, haben die Banken die Zinssenkungen der EZB bis Dezember gut zur Hälfte an die Unternehmen weitergegeben. Gleichzeitig haben im vierten Quartal 2008 per Saldo 37 Prozent der deutschen Banken den Unternehmen den Zugang zu Krediten erschwert. Das weist die am Freitag veröffentlichte vierteljährlichen Bankenumfrage der Bundesbank aus. Grund ist nach Angaben der befragten Banken vor allem eine Verschlechterung der Konjunkturaussichten. Daneben spielte die erschwerte Refinanzierung der Banken eine große Rolle.

Knapp zwei Drittel der Banken haben nach eigenen Angaben die sinkenden EZB-Zinsen genutzt, die Zinsmarge zu erhöhen. Daneben verlangten viele Banken auch mehr Sicherheiten.

Noch haben die deutschen Unternehmen deutlich leichter Zugang zu Kredit als Unternehmen im übrigen Euroraum. Dort haben im vierten Quartal erneut zwei Drittel der Banken den Zugang erschwert. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 haben die Banken ihre Kreditrichtlinien drei Mal verschärft, wenn man alle Quartale zusammenrechnet. In Deutschland war es nur etwas mehr als ein Mal. Anders als im Euroraum, wo die Darlehensvergabe schon seit geraumer Zeit drastisch sinkt, melden die deutschen Banken eine stabile Kreditnachfrage der Unternehmen. Darin könnte sich allerdings ein erstes Zeichen für knappere Mittel zeigen. Immerhin gaben 40 Prozent der deutschen Banken an, dass ihnen die rückläufige Kreditvergabebereitschaft anderer Banken Kundschaft ins Haus treibt.

Marco Valli, Ökonom der italienischen Bank Unicredit, weist darauf hin, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bereits eingeräumt habe, dass die Kreditverknappung Investitionen und Konsum dämpfen werde. Deshalb erwartet er, dass die EZB den Leitzins bis Juni auf ein Prozent senkt.

Auch die deutsche Privathaushalte haben leichter Zugang zu Krediten als diejenigen in anderen Ländern. Nur wenige Banken verschärfen ihre Vergabestandards - im Gegensatz zum Trend in Euroland. Die Kreditzinsen für kurzfristige Kredite an Haushalte sanken in Deutschland in ähnlich stark wie bei den Unternehmen. Nur bei den Überziehungskrediten, bei denen sehr wenig Wettbewerb herrscht und die Zinsen mit über elf Prozent sehr hoch sind, bleiben die Sätze fast unverändert. Dagegen bekamen Unternehmen Überziehungskredite um 0,91 Prozentpunkte billiger als im September, für durchschnittlich 6,35 Prozent.

Es ist ein typisches Muster, dass die Banken Zinssenkungen nur verzögert an ihre Kreditkunden weitergeben. Da die EZB im Januar ihren Leitzins noch einmal um ein halbes Prozent gesenkt und eine weitere Senkung für März in Aussicht gestellt hat, dürfte die Kreditverbilligung weitergehen. Die Banken stehen zwar im Ruf, die Einlagenzinsen schneller zu senken, als die Kreditzinsen, dies war aber zumindest diesmal nicht der Fall. Im großen und Ganzen senkten sie die Einlagenzinsen für private Haushalte, die das Gros der Einlagen ausmachen, etwa gleich stark oder sogar weniger als die Kreditzinsen entsprechender Laufzeit.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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