Hybridanleihen
Finanziert mit Zwitterbonds

Während Banken und Versicherungen Hybridanleihen schon länger nutzen, tun dies Industrieunternehmen in Europa so richtig erst seit zwei Jahren. Interessant ist das Finanzierungsmittel, das zwischen Eigen- und Fremdkapital steht, besonders für größere mittelständische Unternehmen.

FRANKFURT. Als das Management des Holzverarbeiters Pfleiderer sich 2006 entschied, den schwedischen Bodenbelag-Hersteller Pergo zu kaufen, war eines klar: Für die Übernahme musste frisches Geld her. Von Mitte 2006 an prüfte Pfleiderer deshalb alle Optionen: Kapitalerhöhung, Kreditfinanzierung, ein Private Placement in USA, Forderungsverbriefung, eine Unternehmensanleihe – und eine Hybridanleihe.

Heraus kam ein Paket aus einer Forderungsverbriefung über 100 Mill. Euro und einer Hybridanleihe über 275 Mill. Euro, die Ende April notiert wurde. „Für unsere Zwecke und angesichts unserer Bilanzrelationen und Finanzstrategie war das Instrument optimal“, begründet Finanzvorstand Derrick Noe die Entscheidung für die Hybridanleihe.

Ein Kredit oder eine normale Anleihe hätten die Eigenkapitalquote verschlechtert, eine Kapitalerhöhung die Anteile der Aktionäre verwässert. Beides vermied Pfleiderer mit der Hybridanleihe, die zwischen Eigen- und Fremdkapital steht. Denn bei Firmen, die nach internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS) bilanzieren, wird eine Hybridanleihe bei entsprechender Ausgestaltung dem Eigenkapital zugeordnet. Ratingagenturen werten es meist zur Hälfte dem Eigenkapital zu. Steuerlich hingegen sind die Kuponzahlungen abzugsfähig.

Während Banken und Versicherungen Hybridanleihen schon länger nutzen, tun dies Industrieunternehmen in Europa erst so richtig seit 2005. Einer der ersten Emittenten war 2003 Linde. „Es gab zunächst einmal einen Findungsprozess zwischen Emittenten, Investoren und – ganz wichtig – den Ratingagenturen“, sagt Ralf Goehringer, Direktor bei Barclays Capital, die Pfleiderer gemeinsam mit ABN Amro bei der Übernahme und Finanzierung betreuten.

Die Kuponzahlungen für eine Hybridanleihe sind höher als bei herkömmlichen Unternehmensanleihen (Senior Bonds). „Aber man darf die Kosten nicht mit denen für reines Fremdkapital wie Senior Bonds vergleichen“, sagt Goehringer. „Grundsätzlich sollte Hybridkapital eher als günstiges Eigenkapital und nicht als teures Fremdkapital gewertet werden.“ Bei Pfleiderer liegt der Kupon mit 7 1/8 Prozent unter dem durchschnittlichen Kapitalkostensatz des Unternehmens. Hybridbonds haben ihren Eigenkapitalcharakter auch, weil die Laufzeit unendlich ist – auf dem Papier zumindest. Die minimale Haltefrist ist je nach Ausgestaltung sieben bis zehn Jahre. Dann kann das Unternehmen zurückzahlen. Tut es das nicht, steigt der Kupon. Bei Pfleiderer kämen 150 Basispunkte dazu. „Das würde schmerzen, aber wenn es dann an den Märkten Refinanzierungsschwierigkeiten gäbe, sichert uns diese Möglichkeit zur Not Liquidität“, meint Finanzchef Noe.

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