Ideenklau im Maschinenbau
Bauteile mit eingebrannter Kennung

Produktpiraten kosten die deutschen Maschinenbauer jedes Jahr Milliarden. Die Unternehmen wehren sich mit Patenten und Klagen gegen Nachahmer, setzen aber auch auf mehr Innovationen, kürzere Produktionszyklen und eine neue Technik.

BREMEN. Die Mapal KG aus Aalen ist fast 60 Jahre alt – einer der traditionsreichsten Hersteller von Präzisionswerkzeugen in Deutschland. Seit einigen Jahren ist es leider auch Tradition, dass Mapal-Produkte weltweit imitiert und nachgebaut werden: „Besonders bei den zerspanenden Werkzeugen wie unseren Wendeplatten ist das ein großes Problem“, beklagt sich Geschäftsführer Dieter Kress. „Kopiert werden sie hauptsächlich auf dem asiatischen Markt. Leider gibt es nur wenige Möglichkeiten, dagegen vorzugehen.“

Produkt- und Markenpiraterie entwickelt sich zunehmend zur Bedrohung für den Maschinenbau, sie führt jährlich zu Schäden in Milliardenhöhe. Nur Umwelttechniker und die Konsumgüterindustrie sind nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in Deutschland noch stärker von Produktpiraterie betroffen. Nach Angaben des VDMA leiden zwei Drittel der Unternehmen darunter, wobei sich der jährliche Schaden in der Branche auf fünf Mrd. Euro beläuft, mit steigender Tendenz.

Durch das Internet und weltweite Logistiknetze lassen sich Pirateriewaren heute unkompliziert vertreiben, erklärt Horst Wildemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der TU München und Autor einer Studie zum Schutz vor Plagiaten. „In den nächsten Jahren ist ein weiterer Anstieg von Produktpiraterie zu erwarten.“ Ursachen seien der fast ungehinderte Technologietransfer und die Schwierigkeiten bei der Verfolgung der Piraten.

Präzisionswerkzeughersteller Dieter Kress hat sich für die Flucht nach vorn entschieden: „Die Piraterie wird nicht nachlassen, weshalb wir als Unternehmen einfach schneller und innovativer sein müssen“, sagt der Mapal-Geschäftsführer. „Wenn man den Kopierern mit ihren einfachen Fertigungsverfahren zwei bis drei Jahre voraus ist, kann man weiter Wettbewerbsvorteile erringen.“ Um ihre Produkte schwer kopierbar zu halten, stellt Mapal beispielsweise Wendeplatten her, die mit Diamant bestückt sind und mit Laser bearbeitet werden. „Wir blicken optimistisch in die Zukunft“, sagt Kress. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern über zwölf Prozent zulegen und einen Umsatz von über 300 Mill. Euro erwirtschaften. Für 2008 erwartet Mapal ein Wachstum von acht Prozent.

Die gängigste Methode sich zu wehren ist eine Patentanmeldung. Die Fette GmbH, ein seit 100 Jahren bestehender Hersteller von Präzisionswerkzeugen mit 1050 Mitarbeitern in Schwarzenbek, unterhält dafür eine eigene Patentabteilung: „Derzeit haben wir fünf laufende Streitfälle, bei denen nach unserer Ansicht unser Patentrecht verletzt wurde“, berichtet Marc Fleckenstein, Leiter des Produktmanagements bei Fette. „Es kommt vor, dass auf den gefälschten Produkten sogar unser Markenname steht.“

Immer dann, wenn ein Produkt aus dem Hause Fette ein besonderes Alleinstellungsmerkmal habe, achtet der Hersteller besonders darauf, ob Nachahmer auftauchen. So wie im Fall des Hartmetall-Gewindeformers, den Fette Anfang 2006 auf den Markt brachte. Kurz darauf baute ein asiatischer Hersteller dessen austauschbaren Kopf nach und präsentierte ihn auf einer Messe. „Wir haben sofort eine einstweilige Verfügung beantragt“, berichtet Produktmanagement-Leiter Fleckenstein. „Aber erst zwei Jahre später wurde darüber entschieden, dass unsere Klage rechtens war – nur das gilt leider ausschließlich für den nationalen Markt.“

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