IFRS seit 2005 in Kraft
Plötzlich ist das Eigenkapital weg

Die Lage der mittelständischen Unternehmen, die rund 90 Prozent der deutschen Wirtschaft ausmachen, ist nicht einfach. Rekordpleitezahlen, Nachfolgeprobleme und Eigenkapitalschwäche zeichnen nicht eben ein rosiges Bild vom Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft.

HB DÜSSELDORF. Durch die Umstellung auf die internationalen Bilanzregeln IFRS droht weiteres Ungemach. Denn dadurch könnten selbst finanziell gut ausgestattete Personenhandelsgesellschaften ohne Eigenkapital dastehen.

Zum Hintergrund: Mit dem Beginn des Jahres 2005 hat sich die deutsche „Bilanzierungswelt“ stark verändert. Börsennotierte Gesellschaften müssen einen Konzernabschluss nach den „International Financial Reporting Standards“ (IFRS) veröffentlichen. Bislang konnten die Zahlen nach den Regeln des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) erstellt werden.

Die Umstellung auf IFRS bringt eine ganze Reihe von Änderungen beim Ausweis und bei der Bewertung von Vermögens- und Schuldpositionen im Jahresabschluss mit sich – vor allem was die Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital anbelangt. Denn nach Artikel 32 der IFRS liegt Eigenkapital nur dann vor, wenn der einzelne Kapitalgeber keinen individuellen Rückzahlungsanspruch auf das von ihm investierte Kapital hat.

Das kann für Unternehmen, die in der Rechtsform einer Personenhandelsgesellschaft wie oHG oder KG geführt werden – wie bei vielen Familienunternehmen – zu einer bösen Überraschung führen. Gleiches gilt für Genossenschaften, die mit kündbarem Kapital arbeiten, wobei der Genosse seine Einlagen unter bestimmten Bedingungen wieder rausziehen kann. Denn das gesellschaftsrechtliche Eigenkapital ist in der IFRS-Bilanz als Fremdkapital auszuweisen. Das verschlechtert nicht nur die Bilanzrelationen, weil die Eigenkapitalquote gegen Null schrumpft, sondern belastet auch die Gewinn- und Verlustrechnung, da Gewinnausschüttungen als gewinnmindernder Zinsaufwand gebucht werden müssen. Kurz: Die Unternehmen würden bilanziell ohne Eigenkapital dastehen und zudem noch eine schlechtere Ertragslage ausweisen.

Auf die Bitte der Genossenschaftsverbände, darunter auch des Zentralverbands Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) in Berlin, hat das in London ansässige standardsetzende Gremium „International Accounting Standards Board“ (IASB) inzwischen für die Rechtsform der Genossenschaften eine Interpretation des Artikel 32 IFRS veröffentlicht. Danach sind die Einlagen von Genossen als Eigenkapital einzustufen, wenn die Genossenschaft das Recht hat, die Rückzahlung der Einlagen zu verweigern.

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