Im Gespräch mit: Herbert Baunach
„Beim Wachstum kann die Branche nicht klagen“

Die Oberflächentechnik-Branche verzeichnet Jahr für Jahr zweistellige Wachstumsraten. Im Handelsblatt-Interview spricht Herbert Baunach, Vorsitzender des Zentralverbands Oberflächentechnik, über die Gründe des Nachfrage-Booms und die Techniken der Zukunft.

Herr Baunach, die Oberflächentechnik-Branche verzeichnet Jahr für Jahr zweistellige Wachstumsraten. Was treibt die Nachfrage?

Das sind hauptsächlich die Automobil- und Elektronikindustrie. Die beiden Branchen konnten in den vergangenen Jahren im In- und Ausland eine gute wirtschaftliche Entwicklung verzeichnen. Davon hat die Branche sehr stark profitiert. Außerdem haben sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen verändert.

Wie können neue Gesetze den Absatz ankurbeln?

Zum ersten müssen Automobilhersteller wegen der EU-Altauto-Verordnung seit Juli 2007 auf die bisher üblichen chromhaltigen Korrosionsschutzschichten verzichten. Das hat zu neuen Investitionen geführt, insbesondere bei den Galvanik-Unternehmen. Zweitens war da die so genannte Elektroschrott-Verordnung, die seit Juli 2006 die Verwendung bestimmter Stoffe in elektronischen Geräten verbietet. Beide Gesetze haben einen Innovationsschub ausgelöst.

Wie lange wird der Boom noch weitergehen?

Mit Sicherheit hat die Umstellung auf die neuen Anforderungen das Wachstum besonders angetrieben. Das wird aber bald vorbei sein. In diesem Jahr rechnen wir noch mit einem Wachstum von gut acht Prozent, das deckt sich mit den Signalen, die wir aus den Unternehmen bekommen. Selbst wenn sich die Konjunktur eintrüben sollte, werden wir auch in den nächsten beiden Jahren noch Raten von fünf bis acht Prozent sehen. Danach wird sich die Kurve abflachen.

Kann der Export in die Wachstumsmärkte in Asien und Osteuropa für steigenden Umsatz sorgen?

Sowohl Anlagenbauer als auch Hersteller von chemischen Verfahren haben in der Vergangenheit davon profitiert, dass die Automobilindustrie vor allem in Asien expandiert hat. In China und Indien haben sich die Märkte aber inzwischen vom Import aus Europa abgekoppelt, weil die Unternehmen dort eigene Produktionsstandorte aufgebaut haben. Anders sieht es ein Osteuropa aus. Die Länder dort werden auch in Zukunft für einen steigenden Export sorgen.

In der EU gibt es immer mehr Umweltschutzauflagen. Was bedeutet das für eine Branche, die mit sehr viel Chemie arbeitet?

Die Galvanotechnik leidet unter einem schlechten Image als Umweltsünder, das heute aber überhaupt nicht mehr gerechtfertigt ist. Die Auflagen für den Einsatz chemischer Substanzen sind mittlerweile so streng, dass nur noch die Unternehmen wettbewerbsfähig sind, die ihre Technik auf den neuesten Stand gebracht haben. So ist beispielsweise die Abwasserbehandlung um Klassen besser als früher. Die Branche ist heute extrem für den Umweltschutz sensibilisiert.

Zuletzt hat die EU-Chemikalienverordnung REACH für Unruhe gesorgt. Sind die schärferen Regeln ein Problem für die Hersteller von Oberflächentechnik?

Ich würde sagen, es ist eine Herausforderung. Unsere Branche ist mittelständisch geprägt. Bei uns sind zum Beispiel 30 Chemielieferanten organisiert, die zwischen zehn und 300 Beschäftigte haben. Für Unternehmen dieser Größe sind die Regeln von REACH eine erhebliche Belastung. Viele werden neue Mitarbeiter einstellen, um die Anforderungen zu erfüllen. Immerhin müssen die Unternehmen nun die Auswirkungen für die gesamte Lieferkette berücksichtigen, vom Rohstofflieferanten bis zum Anwender.

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