Im Gespräch mit: Patrick Schwarzkopf, Fachverband Robotik
„In Europa liegen wir weit vorn“

Peter Schwarzkopf ist Stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes Robotik und Automation beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Mit dem Handelsblatt sprach er über die Entwicklung der Bildverarbeitung.

Herr Schwarzkopf, in den vergangenen zehn Jahren hat sich das Umsatzvolumen der Bildverarbeiter mehr als vervierfacht. Wie geht es weiter?

Die Branche ist weiterhin auf einem Wachstumskurs, der deutlich über dem Durchschnitt der Investitionsgüterindustrie liegt. Das liegt daran, dass unsere Produkte vor allem im Ausland immer stärker gefragt sind. Der Exportanteil ist von 49 Prozent im Jahr 2004 auf 55 Prozent in 2005 gestiegen. Während Fotoapparate für den Privatgebrauch zunehmend in Asien produziert werden, kaufen die Kunden aus aller Welt hoch entwickelte Objektive und Kameras für die industrielle Produktion bei uns. Auch komplexe Systeme aus Deutschland lösen auf der ganzen Welt fertigungstechnische Probleme. Das Wachstum rührt aber auch daher, dass der Wettbewerb die Unternehmen zwingt, ständig die Arbeitsabläufe zu optimieren. Außerdem sind viele mögliche Anwendungen noch gar nicht realisiert.

Kommt es zu einer Umsatzverschiebung zu nicht-industriellen Anwendungen?

In der Tat wächst der Markt für außerindustrielle Anwendungen am schnellsten. Besonders stark sind hier die Bereiche Medizin- und Verkehrstechnik. 2000 wurden erst etwa elf Prozent des Umsatzes in nicht-industriellen Einsatzgebieten erwirtschaftet, heute machen die Anwendungen schon ein Viertel des Gesamtumsatzes aus – Tendenz steigend.

Profitiert Ihre Branche auch vom erhöhten Sicherheitsbedürfnis?

Wir erwarten deshalb nicht gleich einen Boom, aber ein interessanter Markt ist das schon. Bislang haben wir es in der Öffentlichkeit ja eher mit unintelligenter Überwachung zu tun. Eine Kamera filmt einen Platz oder Bahnhof, und ein Wachmann kontrolliert am Monitor das Bild. Ziel muss sein, dass Bildverarbeitungssysteme Gefahrensituationen automatisch erkennen. Wenn jemand mit einem Koffer zum Bahnsteig geht, ihn abstellt und sich entfernt, muss dieses Szenario im System gespeichert sein und erkannt werden. Die Software kann dann automatisch Alarm schlagen. Das ist intelligente Überwachungstechnik mit Bildverarbeitung. Allerdings gibt es da noch einen beträchtlichen Entwicklungsbedarf.

Inwiefern verbessert Bildverarbeitung die Qualität in der Produktion?

Die Qualitätsprüfung ist die mit Abstand wichtigste Aufgabenstellung für die Bildverarbeitung. Früher hat man Stichproben aus der Produktion gezogen und auf Mängel getestet. Heute ist es möglich, eine 100-Prozent-Prüfung wirtschaftlich zu erreichen. Das heißt, jedes einzelne Teil wird von Kameras überwacht. Und die sind so gut, dass sie jeden Produktionsfehler sofort erkennen. Das gleiche gilt für Oberflächen aus Metall, Glas und Kunststoff, oder für die Prüfung von großen Papierbahnen, selbst bei extrem hohen Produktionsgeschwindigkeiten. Verbesserungen gibt es nicht nur bei der Qualität, sondern auch bei der Sicherheit der gefertigten Module, etwa Airbags oder ESP-Baugruppen, die ja zuverlässig funktionieren müssen.

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