Im Gespräch mit: Thomas Wimmer
„Mittelständler stehen in Startlöchern“

Thomas Wimmer, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik, spricht mit dem Handelsblatt über die Folgen der Globalisierung für die Branche, die Marktkonsolidierung und die Stärken mittelständischer Unternehmen.

Herr Wimmer, kaum eine Branche spürt die Globalisierung so stark wie die Logistiker. Welche Folgen hat das?

Als Rückgrat der Wirtschaft sind die Logistiker auf der Suche nach ihrer Position in der globalisierten Welt. Es geht den Unternehmen darum, ihre eigenen Marktnischen zu finden. Das ist in Zeiten steigenden Kostendrucks und kürzer werdender Produktlebenszyklen nicht einfach. Dennoch ist Deutschland auf einem guten Weg. In Europa betrug das Brutto-Umsatzvolumen der Logistik im Jahr 2004 rund 585 Mrd. Euro. Deutschland hat mit 28 Prozent den größten Anteil daran und steht somit auch in der Logistik im Mittelpunkt Europas. Ein wichtiger Aspekt, der die Firmen unsere Branche derzeit bewegt, ist die Frage nach der Wertschöpfungstiefe. Jedes Unternehmen muss sich entscheiden, ob es bestimmte Aufgaben selbst übernimmt oder lieber extern einkauft. Zudem haben wir – wie andere Branchen auch – mit einer sinkenden Kundenloyalität zu kämpfen. Wenn zwei Produkte die gleichen Eigenschaften haben, wird dort gekauft, wo es billiger ist oder schneller bereitgestellt werden kann.

Ist Kundenbindung nicht die große Stärke des Mittelstandes?

Das ist in der Tat ein Plus für mittlere und kleine Anbieter. Zu den Vorteilen zählen allerdings nicht nur die große Nähe zum Kunden und konsequente Orientierung an seinen Wünschen, sondern auch die schnellen Entscheidungswege mit direkter Verantwortlichkeit. Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 60 000 Dienstleister im Logistikbereich. Sie sorgen nicht nur für den Transport, sondern statten auch Computer mit Betriebssystemen aus und erstellen Sortimente oder kundenspezifische Verpackungen. Andere individualisieren Serienprodukte – wie beispielsweise importierte Autos aus Fernost. Alle haben sie ihre Nische gefunden und profitieren davon, dass sich viele Großunternehmen zunehmend auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Dabei werden regelmäßig neue Aufgaben frei und Mittelständler stehen in den Startlöchern, um einzuspringen.

Rechnen Sie mit einer steigenden Zahl an Fusionen?

Sicher wird sich der Markt weiter konsolidieren. Allerdings geschieht das nicht immer durch Firmenkäufe oder Verschmelzungen. Oftmals tun sich zwei Unternehmen zusammen, um auf diese Weise besser zu wirtschaften. Bei vielen Allianzen können die Partner durch die Kooperation etwa ein größeres Produktportfolio anbieten oder einfach billiger einkaufen.

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