Im Gespräch mit: Wolfgang Herrman
„Japan ist ein ernster Konkurrent“

Wolfgang Herrman ist Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Federn-Industrie. Mit dem Handelsblatt sprach er über die Stärken der deutschen Hersteller, den Wettbewerb mit asiatischen Staaten und die Auswirkungen der hohen Rohstoffpreise.

Der über die Stärken deutscher Hersteller

Herr Hermann, wie schafft es die kleine Branche der deutschen Federnhersteller auf dem Weltmarkt zu bestehen?

Der Wettbewerbsvorteil der Federnhersteller ist der hohe Grad an Spezialisierung. Das ist deshalb möglich, weil die Industrie einen sehr engen Kontakt zur Forschung pflegt. Unser Verband realisiert regelmäßig Forschungsprojekte, bei denen wir Hochschulen mit der Wirtschaft zusammen bringen. Dies geschieht etwa im Bereich Drahtentwicklung oder neuen Berechnungssystemen. Zudem hat die mittelständische Prägung der Branche den Vorteil, dass sich die Hersteller extrem schnell an Kundenwünsche anpassen und neue Technologien umsetzen können. Immerhin haben fast zwei Drittel der Betriebe weniger als 50 Mitarbeiter.

Ist der Erfolg der Branche nicht vor allem der starken deutschen Automobilindustrie zu verdanken?

Natürlich ist die Automobilindustrie ein sehr wichtiger Impulsgeber für uns. Von hier kommt die größte Nachfrage nach den Produkten der Federnhersteller und auf diesen Bereich richten sich auch die meisten Innovationen. Europaweit gibt es für uns in der Sparte Pkw-Tragfedern keine wesentliche Konkurrenz. Aber schon seit langem haben wir es in fast allen Lebensbereichen mit Federn zu tun. Wenn wir einen Lichtschalter betätigen ebenso wie beim Druck auf die Mine des Kugelschreibers oder beim Benutzen des Wasserkochers. High-Tech-Federn sind heutzutage auch nicht mehr aus der Medizintechnik wegzudenken, etwa beim Einsatz von Kathetern oder in der Endoskopie. Großer Abnehmer von Federn ist auch die Bauwirtschaft. Mittlerweile werden ganze Gebäude auf Federn gestellt, um sie erdbebensicher zu machen. Auch große Pressen oder Stanzen sind auf Federn gelagert. Wir benutzen täglich mehr Federn als uns bewusst ist.

Der Wettbewerb mit asiatischen Staaten macht Ihnen sicherlich zu schaffen.

Japan ist für uns ein ernst zu nehmender Konkurrent mit erheblichem Potenzial - vor allem im Automobilbereich. Weniger Sorgen machen wir uns allerdings über chinesische Hersteller. Denn die produzieren zur Zeit noch fast ausschließlich Federn für den eigenen Markt. Zudem ist die in China produzierte Qualität nicht mit unserer vergleichbar – zumindest dann nicht, wenn es sich um rein chinesische Unternehmen handelt.

Nutzen nicht viele deutsche Hersteller Osteuropa als verlängerte Werkbank?

Es gibt immer wieder Federnproduzenten, die zum Beispiel zusammen mit dem Werk eines Autoherstellers gen Osten ziehen und dort auch produzieren. Insgesamt ist es in unserer Branche allerdings eher weniger zur Abwanderung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer gekommen. Das liegt zum einen an dem großen Know-how, das für die Produktion von technischen Federn notwendig und in vielen Ländern nur schwer zu finden ist. Zum anderen sind gerade die kleineren, kaltgeformten Federn auch ein leichtes Gut, das sich problemlos per Post verschicken lässt. Deshalb können Kunden weiterhin von Deutschland aus beliefert werden, auch wenn sie selbst im Ausland produzieren.

Seite 1:

„Japan ist ein ernster Konkurrent“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%