Im Insolvenzverfahren kommt es auf Transparenz an
Wenn das Ende zum Neuanfang wird

An die letzten drei Wochen vor der Insolvenz erinnert sich Walter Zacharias*), Geschäftsführer eines thüringischen Tiefbauunternehmens noch genau. „Wir haben mit den fünf Gläubigerbanken bis zuletzt gerungen.“ Bis zur letzten Sekunde hoffte er auf ein Einsehen der Geldgeber und die dringend benötigte Finanzspritze. Doch die Banken blieben hart. Sie hatten das Vertrauen verloren in das Unternehmen, das bei rund 200 Mill. DM Umsatz 600 Mitarbeiter beschäftigte – zu viel in einer Zeit der Flaute, wie sie 1997 in der Baubranche herrschte.

DÜSSELDORF. Kurz bevor das Unternehmen in die Krise geriet, war Zacharias zum Geschäftsführer avanciert und erlebte das Desaster an vorderster Front: „Unmittelbar nach der letzten großen Sitzung mit den Banken musste ich zum Amtsgericht gehen und Insolvenz anmelden“, berichtet er. Die 21 Tage Frist, die ihm blieb, nachdem die bilanzielle Überschuldung und die Zahlungsunfähigkeit feststanden, hatte er bis ins Letzte ausgereizt. Vergeblich. „Man ist erst einmal sauer auf die Banken“, beschreibt er seine Gefühle.

„Doch nüchtern betrachtet“, so gibt Zacharias aus der zeitlichen Distanz zu, „kann ich die Banken verstehen.“ Sie seien als Treuhänder für das Geld ihrer Kunden verantwortlich und könnten es nicht für faule Kredite verschleudern. Die Insolvenz hat für ihn den Schrecken verloren: „Gut, dass es so gekommen ist. Wir hätten nur das Sterben verlängert“, weiß er heute. Die Anpassung an die Marktverhältnisse – der Personalabbau – wäre ohne Insolvenz nicht machbar gewesen.

Im Zuge der Insolvenz entschied sich der Insolvenzverwalter für eine Auffanglösung, das heißt, die gesunden Teile wurden auf eine neugegründete Gesellschaft übertragen. Die Voraussetzungen waren günstig, denn die Auftragsbücher waren voll. Nur fehlte das Geld, sie auszuführen. Zacharias wechselte in die neue Geschäftsführung. Kein einfacher Job. „Als Geschäftsführer ist man durch die Insolvenz zunächst verschlissen. Ich war bei Lieferanten und Kunden in Misskredit“, berichtet er. „Das war keine leichte Zeit.“ Vertrauen aufbauen, ist in dieser Phase das einzige, was zählt – vor allem bei den Kreditgebern.

Das bestätigt auch Burkhard Jung. Der Wirtschaftsingenieur ist bei der Berliner CMS Societät für Unternehmensberatung AG mit der Beratung kriselnder Unternehmen befasst und berät Insolvenzverwalter bei kaufmännischen Fragen. Auch im Fall des Tiefbauunternehmens. Der Verwalter hatte die vor 30 Jahren von Claudio Ciacci, Lutz Mackebrandt und Peter Salvers (kurz: CMS) gegründete Beratungsfirma für mittelständische Unternehmer geholt.

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